Auf den Himmel zu

  Einen der am meisten besuchten Orte Frankreichs habe ich vergangen Woche besucht, ein romanisches Monument, die Basilika Sante Marie Madeleine von Vezelay. Zu dieser Kirche in Burgund wandern wir im August 2013 im Rahmen einer franziskanischen, europäischen Jugendwallfahrt zu dieser Kirche. Näheres finden sie unter www.vezelay2013.com.     Video, Audio

Fünf Tage lang pilgern wir durch Weinberge, die hügelige Landschaft und verträumte Orte von Burgund nach Vezelay. Vor Ort haben wir noch drei Tage besinnliches, kreatives Programm mit einem Abschlusskonzert der französischen Musikgruppe Yogan.

Das Ziel unserer Wanderung ist die Kirche Sainte Marie Madeleine. Sie ist ein Zeichen für den Himmel, den wir Menschen schon hier auf Erden berühren wollen. Ich wünschen allen, die zu dieser oder zu einer anderen Kirche pilgern, dass sie spüren: Das soll mein Weg durchs Leben sein. Ich will nicht vor irgendetwas oder irgendjemand flüchten oder gegen andere angehen, sondern ich will auf den Himmel zugehen, auf die Begegnung mit Gott. Dazu kommt mir ein Gebet in den Sinn, dass am Fest Christi Himmelfahrt bei den Katholischen Gottesdiensten gebetet wird: „Allmächtiger, ewiger Gott, lenke unser Sinnen und Verlangen zum Himmel, wo Christus als Erster der Menschen bei dir ist“.

Mehr dazu finden sie weiter unten.

C Christi Himmelfahrt, Homilie, Br. René Dorer

Bibelstellen: Apg 1,1-11; Ps 47 (46), 2-9;  Eph 1,17-23 ; Lk 24,46-53 (Einheitsübersetzung der Hl. Schrift, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart)

weitere Literatur:

Thomas von Celano, 1. Lebensbeschreibung des Hl. Franziskus (=1 C), hier: 1 C 23,2-3, in: Dieter Berg, Leonhard Lehmann (Hg.), Franziskusquellen, Die Schriften des heiligen Franziskus, Lebensbeschreibungen, Chroniken und Zeugnisse über ihn und seine Orden, Kevelaer 2009, 213.

Mehr dazu:

 

Vergangene Woche war ich in Frankreich. Mit einem Freund zusammen haben wir in Burgund die Route für eine Fußwallfahrt erkundet. Wir organisieren mit an einer europäischen franziskanischen Jungendwallfahrt nach Vezelay im August 2013 (www.vezelay2013.com). Ziel unserer Sternwallfahrt ist die Kirche „Sante Marie Madeleine“ in Vezelay. Sie ist einer der am meisten besuchten Orte in Frankreich. Schon auf mittelalterlichen Pilgerkarten ist sie verzeichnet. Seit Jahrhunderten ist es ein menschliches Bedürfnis, zu heiligen Orten zu pilgern. Wallfahrten erlebt heute eine Renaisance.

Meist sind Kirchen das Ziel von Wallfahrten. Diese Gebäude stehen auch für die Sehnsucht des Menschen, schon hier auf der Erde, den Himmel zu berühren.

Dieser Wunsch findet eines Erachtens eine Antwort im Fest Christi Himmelfahrt. Das Ereignis, das Christen an diesem Tag feiern ist im Lukasevangelium so beschrieben: „Während Jesus seine Jünger segnete, verließ er sie und wurde in den Himmel emporgehoben, sie aber fielen vor ihm nieder“ (vgl. Lk 24,51). Wie mit einem unsichtbaren Heißluftballon schwebt Jesus in den Himmel. „Ist doch lächerlich, das ist Erfindung der ersten Jünger Jesu. So was ist nicht möglich“, werden sich manche denken. Für mich ist es logischer zuerst anzunehmen, dass die Verfasser der Evangelien Augenzeugenberichte nieder geschrieben haben. Das die Erzählung von der Himmelfahrt erfunden ist, kann keiner beweisen. Warum sollte die gesamte Realität nicht mehr umfassen als ein bloßes Gesetz der Schwerkraft. Warum sollte der Gott der alles ins Dasein gerufen hat mit einem Gedanken, nicht fähig sein, seinen Gesandten Jesus in die Luft schweben zu lassen? Was habe ich da für eine mickrige Vorstellung von Gott, wenn ich meine, er müsse sich die Fesseln meines Weltbildes anlegen lassen. Wie auch immer. Das ganze Ereignis ist ja nur ein Zeichen für eine viel tiefer gehende Wirklichkeit. Diese drückt für mich der Heilige Paulus im Brief an die Epheser so aus: „Gott hat Christus im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben“ (vgl. Eph 1,20-21). Es geht um die Wirklichkeit Gottes, die nicht nur oben, sondern überall ist. Jesus ist zur Rechten Gottes erhoben, das heißt für mich und die kirchliche Tradition: Er ist auf der Ebene Gottes, er hat die Gleiche Bedeutung, die gleiche Stellung wie Gott. Diese hohe Position Jesu drückt Paulus in seinem Brief so aus: „Er ist hoch über allen Fürsten und Gewalten, Mächte und Herrschaften und über jeden Namen, der nicht in dieser Welt, sondern auch in der künftigen genannt wird“ (Eph 1,21). Der Apostel sagt mir damit: Jesus ist über jedes Wesen erhaben, weil er an gleicher Stelle wie Gott ist. Das ist für mich eine wichtige Botschaft des Festes Christi Himmelfahrt. Jesus hat den Himmel, Gott selbst nicht nur berührt, er ist im Vater, er hat die ganze Macht des Vaters in sich. „Er beherrscht das All ganz und gar“, schreibt Paulus an die Epheser (vgl. Eph, 1,23).

„Schön für Jesus“, werden sich manche denken, „aber was geht das mich an“. „Und ob das dich und mich was angeht“, sage ich. Wenn Jesus der Herrscher über das ganze All ist, dann hat er Macht über dich und mich. Er hat Macht im Sinne von: „Er kann was mit dir und mit mir machen“. Was kann er machen?

Das wird für mich im Versprechen Jesu vor seiner Himmelfahrt deutlich: „Ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet“ (vgl. Lk 24,49), verheißt er den Jüngern. Dazu ist Jesus ermächtigt. Er kann uns erfüllen mit der Kraft aus der Höhe. Gemeint ist der Beistand, der Heilige Geist. Alle die an Jesus glauben, können von  ihm dieses Gabe empfangen. Der Geist Gottes ist eine Erfahrung von Gott selbst, ein Erlebnis des Himmels. Wer den Beistand von Jesus empfängt, kann erfahren: Es gibt einen Gott der es mit mir gut meint, der mir schon in dieser Welt seine Zuwendung schenkt. Christi Himmelfahrt bedeutet für mich Jesus zu feiern, der ganz auf der Ebene Gottes, im Himmel existiert, der uns wegen seiner Macht schon in dieser mit dem Himmel in Berührung bringen kann.

Davon war auch der Heilige Franziskus überzeugt. Deshalb war Franziskus schon in dieser Welt mit dem Himmel, mit der Kraft des Geistes Gottes in Berührung und ganz auf die jenseitige Welt, den Himmel ausgerichtet. Der Franziskus-Biograph Thomas von Cenlano drückt dies in seinem ersten Buch über das Leben Armen aus Assisi so aus: „Sein Wort war wie loderndes Feuer, das ins Innerste des Herzens drang und aller Geist mit Bewunderung erfüllte. Ein ganz anderer schien Franziskus jetzt zu sein, als er gewesen war. Nur mehr nach dem Himmel schauend, achtete er es nicht mehr für wert, auf die Erde zu blicken“. (vgl. 1 C 23,2-3).

Ich möchte mich auch immer mehr auf den Himmel ausrichten, wo Christus ist, von wo er mir und uns allen die Erfahrung des Himmels schenken kann, die Erfahrung der Kraft Gottes, dem Heiligen Geist. Deshalb wünsche ich allen die zur Kirche von Vezelay, oder zu einer anderen Kirche pilgern und ich wünsche es allen, die auf Christus vertrauen, dass sie immer mehr spüren: Ich kann den Himmel in dieser Welt berühren, deshalb will ich mich den Himmel in den Horizont meines Lebens hereinnehmen. Dazu kommt mir ein Gebet in den Sinn, das beim Fest Christi Himmelfahrt bei den Heiligen Messen der katholischen Kirche gebetet wird: „Allmächtiger, ewiger Gott, lenke unser Sinnen und Verlangen zum Himmel, wo Christus als Erster der Menschen bei dir ist“.