„Döner-Morde“ werden die Anschläge einer Neonazibande in Deutschland genannt. Eine verharmlosende Bezeichnung für eine Mordserie gegen vorwiegend türkischstämmige Opfer. Rechtextreme Terroristen stehen hinter diesen Verbrechen der vergangenen Jahre. Diese Menschen-verachtenden Untaten zeigen mir: das Böse ist da in der Gesellschaft, in uns. Da werden jetzt einige sagen: Übertreib doch nicht, es gibt so viel gute Menschen in Europa. Ja, es gibt sie, aber wir alle sind leicht zum Bösen verführbar. Ich denke da an die Bibel, die immer wieder erzählt, wie sich Menschen zum Bösen bewegen lassen. Doch die Heilige Schrift spricht auch vom starken Gott, der Jesus als den Befreier vor dem Bösen sendet.

Im Advent bereiten wir uns auf das Fest der Geburt Jesu vor. Wenn ich Advent und Weihnachten in rechter Gesinnung feiere, dann kann ich die befreiende Macht erleben.

Die Kraft Jesus hat auch die Heilige Klara von Assisi erfahren. Sie schreibt in einem Brief: Der Herr Jesus Christus hat uns der Macht des Fürsten der Finsternis entrissen (vgl. 1 Agn 14).

Lesejahr B, 2. Adventsonntag 2011, Homilie, Br. Rene Dorer

Bibelstellen: Lesungen Jes 40,1-5.9-11; Lk 1, 46-48.49-50.53-54,  2 Petr 3,8-14; Mk1,1-8

Andere Literatur:

Klara von Assisi, Erster Brief an die heilige Agnes von Prag, (=1 Agn), hier:  1 Agn 14,  Grau Engelbert (Hg.), Leben und Schriften der Heiligen Klara, Dietrich-Coelde-Verlag 1997, 195.

 

„Döner-Morde“ werden die Anschläge einer Neonazibande genannt. Eine verharmlosende Bezeichnung für die Mordserie von rechtextremen Terroristen auf vorwiegend türkischstämmige Opfer. Mich erschreckt, dass die menschenverachtende Naziideologie heute noch immer lebendig ist. Und das nach den bitteren Erfahrungen des Hitlerregimes heute in einem sogenannten „humanen Europa“. Die Morde der Nazibande sind nur die Spitze vom Eisberg. Wie viel kriminelles Potential schlummert in unseren eigenen Reihen? Diese Unmenschlichkeiten machen mir deutlich: das Böse ist nicht einfach auszurotten, es bleibt in der Gesellschaft, ja in jedem Menschen. Der Mensch ist leicht verführbar zu menschenverachtendem, ungerechtem Verhalten.

Da werden jetzt einige sagen: Übertreib doch nicht, es gibt so viel gute Menschen in Europa. Wir haben so viel Mitmenschlichkeit. Ich denke, es ist gut, dass wir das Positive in unserer Gesellschaft ansprechen. Gleichzeitig müssen wir die negativen Abgründe des Menschen wahrnehmen. Auch in mir steigen oft böse Gedanke auf. Manchmal erschrecke ich selbst, vor dem, was in mir schlummert.

Mir fallen dabei die biblischen Schriften ein. Über Jahrhunderte haben Menschen ihre Erfahrungen in diesen Texten überliefert. Dabei habe sie auch erkannt: der Mensch ist leicht zur Ungerechtigkeit, zur Sünde zu bewegen. So spricht der Prophet Jesaja von den Sünden Jerusalems. Er meint damit die bösen Taten aller Bewohner dieser Stadt und darüber hinaus.

Der Prophet verkündet: „Für all ihre Sünden hat Jerusalem von der Hand des Herrn die volle Strafe erlitten“ (vgl. Jes 40,2). Die Menschen haben gesündigt und werden dafür bestraft. Eigentlich ist es ja nicht Gott, der straft, sondern der Mensch schadet sich im Letzten immer selbst, wenn er böse handelt.

„Der Mensch hat eben mal auch das Böse in sich, er ist eben ein Sünder. Da sind Hopfen und Malz verloren“, wird so mancher argumentieren. Ja, der Mensch ist so, aber ich sage: Hopfen und Malz sind da nicht verloren. Ich glauben, dass es jemand gibt, der dem Menschen hilft, aus den Fängen der Menschenverachtung heraus zu kommen. Gott selbst kommt, um zu helfen, das verkünden die Propheten immer wieder. Der Propheten Jesaja spricht: „Seht, Gott, der Herr, kommt mit Macht, bahnt ihm den Weg, er herrscht mit starkem Arm“ (vgl. Jes 40,3.10). Gott selber kommt machtvoll auf den Menschen zu, um ihm zu helfen? Wie wird er dem Menschen helfen. Gott ist wie ein Hirt, der sich um seine Schafe kümmert (vgl. Jes 40,11).

Da denke ich an einen Psalm, der ausdrückt, wie Gott für den Menschen sorgt: „Vor dem Herrn geht Gerechtigkeit her“ (vgl. Ps 85(84), 13-14). Mit Gott kommt also Gerechtigkeit, ein guter Umgang der Menschen untereinander und auch das rechte Verhältnis des Menschen zu Gott. Das gehört zusammen. Zu dieser Lebenshaltung will Gott den Menschen begleiten. Und er kann das machtvoll tun.

Jetzt im Advent denke ich als Christ auch besonders daran, welchen Weg sich Gott ausgesucht hat, um mir entgegen zu kommen, um mir zu helfen. Johannes der Täufer gibt mir da einen Hinweis. Der Evangelist Markus berichtet vom Wüstenpropheten Johannes. Dieser ruft in der Wüste: „Nach mir kommt einer der stärker ist als ich. Ich bin es nicht wert mich zu bücken und ihm die Schuhe aufzuschnüren“ (vgl. Mk 1,7). Mit dem Stärkeren meint Johannes Jesus.

Für mich ist Jesus der Starke von dem schon Jesaja gesprochen hat: „Seht, Gott, der Herr, kommt mit Macht, bahnt ihm den Weg, er herrscht mit starkem Arm“ (vgl. Jes 40,3.10). Ich glaube, dass mit Jesus Gott selbst in diese Welt kommt, um uns Menschen kräftig zur Seite zu stehen. Mit der machtvollen Hilfe Jesu können wir das Böse in uns und um uns herum besiegen. Mit der Hilfe Jesu können wir auch die Naziideologie in ihre Schranken weisen.

Aber, jetzt kommt der Einwand: Gott, Jesus setzt seiner Macht eine Grenze. Es ist der freie Wille des Menschen. Nur wenn ich Jesus an mich heranlassen, wenn ich ihm die Tür meiner Person öffne, dann kann er mit seiner Macht der Liebe in mich hereinwirken. Jesus kommt immer auf mich zu, um mir zu helfen. Ich muss ihn nur heireinlassen. Die Adventszeit ist die Zeit, in der wir uns neu einüben können, auf Jesus zu warten. Er hat Macht mich und auch die Neonazis zu einem liebevollem Handeln zu bewegen. Wenn wir mitspielen.

Auch die Heilige Klara, die Gefährtin des Heiligen Franziskus von Assisi, hat selbst erlebt: Jesus ist mächtig uns von den bösen Einstellungen zu befreien. Deshalb schrieb Klara an ihre adelige Freundin Agnes von Prag: Der Herr Jesus Christus hat uns der Macht des Fürsten der Finsternis entrissen (vgl. 1 Agn 14). Die Heilige Klara hat selbst erlebt: Jesus ist der Starke, der immer zu mir kommen will, um mich stark zu machen, das Böse zu besiegen.

Ich bin so glücklich, dass ich gerade jetzt in der Adventszeit mich neu öffnen kann für den starken Jesus, der immer, jeden Augenblick auf mich zukommt. Johannes der Täufer bewegt mich zu diesem Vertrauen, denn er spricht in der Wüste von Jesus, dem Stärkeren: „Nach mir kommt einer der stärker ist als ich. Ich bin es nicht wert mich zu bücken und ihm die Schuhe aufzuschnüren“ (vgl. Mk 1,7).