„>Du bist immer so gut drauf, schaust gut aus, ich bewundere dich<, hat mir eine Freundin gesagt, da habe ich mich so richtig gut gefühlt“. Das erzählt mir eine Frau in diesen Tagen. Sie fährt fort „Eine Stunde später habe ich jemand getroffen, der mir gesagt hat: > Geht´s dir nicht gut? Wie schaust den du heute aus?<. Diese Worte haben mir den ganzen Tag die Stimmung vermiest“.

Video, Audio , Audio (mehr)

Der Frau war es selber unangenehm, wie sehr sie sich abhängig macht von dem, was andere über sie sagen. Ich fühle mich da selber betroffen, weil ich auch manchmal sehr nach der Anerkennung anderer schiele. Mir ist die Meinung anderer wichtig. Ich kann von anderen viel lernen. Ich will aber nicht abhängig sein von der Anerkennung anderer.

Ich will auch dann erfüllt leben, wenn bestimmte Menschen mich nicht so toll finden oder mich ablehnen. Ich erlebe, dass ich da gerade in meinem Glauben einen starken Halt habe. Ich glaube, an einen Gott, dem ich unendlich wertvoll bin, auch wenn ich mal nicht so gut drauf bin. Es ist der Gott, zu dem  ich gerne mit folgenden Worten aus der Bibel bete: „Herr, mein Gott, seit ich im Leib meiner Mutter war, stütze ich mich auf dich“ (Ps 71,6).

Mehr dazu finden sie weiter unten.

Lesejahr C, 4. Sonntag im Jahreskreis, Homilie, Br. René Dorer

Bibelstellen: Jer 1,4-5.17-19; Ps 71 (70), 1-6.15.17; 1 Kor 12.31 – 13,13 ; Lk 4,21-30 (Einheitsübersetzung der Hl. Schrift, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart)

weitere Literatur:

Die Dreigefährtenlegende (= Gef), hier: Gef, 40,1 in: Dieter Berg, Leonhard Lehmann (Hg.), Franziskusquellen, Die Schriften des heiligen Franziskus, Lebensbeschreibungen, Chroniken und Zeugnisse über ihn und seine Orden, Kevelaer 2009, 634.

Mehr dazu:

 

„>Du bist immer so gut drauf, schaust gut aus, ich bewundere dich<, hat mir eine Freundin gesagt, da habe ich mich so richtig gut gefühlt“. Das erzählt mir eine Frau in diesen Tagen. Sie fährt fort „Eine Stunde später habe ich jemand getroffen, der mir gesagt hat: > Geht´s dir nicht gut? Wie schaust den du heute aus?<. Diese Worte haben mir den ganzen Tag die Stimmung vermiest“.

Der Frau war es selber unangenehm, wie sehr sie sich abhängig macht von dem, was andere über sie sagen. Ich fühle mich da selber betroffen, weil ich auch manchmal sehr nach der Anerkennung anderer schiele. Wie andere mich erleben, was sie von mir halten, wie sie mich sehen ist mir wichtig. Ich kann von Rückmeldungen anderer lernen. Ich will aber nicht abhängig sein von den Stimmungen und Äußerungen anderer. Ich will mich auch nicht von der Angst treiben lassen, ich könnte von anderen abgelehnt werden, wenn ich irgendwas sage oder mache, was ich als wichtig empfinde.

Angst vor der Meinung anderer, vor Ablehnung hatte wohl auch der Prophet Jeremia gehabt. Er hörte Gott zu ihm sprechen: „Zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt. … Verkünde ihnen alles, was ich dir auftrage. Erschrick nicht vor ihnen. Mögen sie dich bekämpfen, sie werden dich nicht bezwingen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten“ (vgl. Jer 1,5.17-19). Jeremia hat von Gott den Auftrag erhalten, das zu sagen, was Gott ihm eingibt. Er sollte sich dabei aber nicht ängstigen. Die Zusage Gottes „ich bin mit dir“ sollte ihm dabei Mut geben. Das möchte auch ich: Bei Gott Halt finden, ohne Angst vor der Meinung anderer eben.

Dazu bewegen mich auch die Worte des Psalms 71: „Herr, mein Gott, vom Mutterleib an stütze ich mich auf dich, von Mutterschoß an bist du mein Beschützer“ (vgl. Ps 71,6). Ich denke, dass auch Jesus diese Psalmverse immer wieder gebetet hat. Wie sehr müssen sie ihm geholfen haben, mit den verschiedenen Einstellungen der Menschen ihm gegenüber umzugehen.

Denn er erlebte einerseits viel Annahme bei den Menschen. Das sagt mit der Evangelist Lukas, der vom ersten Auftreten Jesu in seiner Heimat berichtet: „Seine Rede fand bei allen Beifall, sie staunten darüber, wie begnadet er redetet“ (Lk 4,22). Sicher hat der Applaus Jesus gut getan. Doch nur einige Augenblick später schlug die Stimmung um: „Die Leute gerieten alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus“ (vgl. Lk 4,29). Sie wollten ihn sogar über einen Abhang hinabstoßen. Mir gefällt wie Jesus bei alle dem ganz unbeirrt bleibt. Das drücken für mich die Worte des Evangelisten aus: „Jesus aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg“. Das ist für atemberaubend, wie cool er bleibt. Gewiss hat er auch in diesen bedrohlichen Augenblicken in dem Bewusstsein gelebt: „Herr, mein Gott, vom Mutterleib an stütze ich mich auf dich, von Mutterschoß an bist du mein Beschützer“ (Ps 71,6).

Mich fasziniert dieses Bild, die wütende Mengen, und Jesus geht ganz locker durch sie durch, als wäre nichts gewesen. Das macht mit klar, Jesus hat ganz wo anders seinen Halt, als in der Anerkennung der Menschen.

Von Jesus möchte ich viel lernen, so wie es auch der Heilige Franziskus und seine Brüder getan haben. Sie wurden von den Leuten zum Teil verspottet und sind doch ihrem Weg in der Nachfolge Jesu treu geblieben. Die Dreigefährtenlegende erzählt von den Wanderungen des Heiligen Franziskus mit seinen Brüdern: „Viele, Niedrig- wie Hochgestelte, verhöhnten sie und taten ihnen Unrecht an; sie nahmen ihnen manchmal sogar die schäbigsten Kleider, die sie trugen, weg“ (Gef 40,1). Doch das hat die Brüder des Franziskus nicht abgehalten fröhlich ihren Weg als Jünger Jesu weiter zu gehen. Ich bin überzeugt, sie habe ganz aus der Kraft ihres Vertrauens auf Gott gelebt.

Ich bitte Jesus für mich und für uns allen, dass wir zuerst unseren Halt in Gott finden und nicht bei Menschen. Deshalb bete ich gerne die Psalmverse: „Vom Mutterleib an stütze ich mich auf dich, von Mutterschoß an bist du mein Beschützer“ (Ps 71,6).