Helfen beim Laenderspiel 2

Bei uns Franziskanern von Telfs gab es eine Überschwemmung. Zentimeterhoch stand das Wasser in einigen Räumen am Mittwoch, dem 11. September 2012. Die Ursache war ein überdimensionaler Regenguss. In unserer Not kamen uns etwa zehn Feuerwehrleute zu Hilfe. Schnell hatten sie die Räume trocken gesaugt.   VideoAudio (direkt), podcast

Für einige Helfer bedeutete das auch, dass sie auf die Live-Übertragung des spannenden Fussball-WM Qualifikationsspiels Österreich Deutschland verzichten mussten. Warum tun sie so was? Weil sie neugierig auf Notsituationen sind, weil sie die Anerkennung suchen, die solche Einsätze oft mit sich bringen, oder einfach, weil es sich gut anfühlt, anderen zu helfen.

Wenn ich Menschen in Not helfen kann, dann gibt mir das was, dann fühle ich mich gut. Mir fällt da Jesus ein. Er macht mir deutlich, dass es wie ein Sieg ist, wenn ich für andere da bin, besonders, wenn ich solchen Menschen helfe, die in einer Notlage sind. Jesus drückt das für mich so aus: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein“ (Mk 9,35b).

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Lesejahr B, 25. Sonntag im Jahreskreis 2012, Homilie, Br. René Dorer

Bibelstellen: Weish 2:1a.12.17-20, Ps 54 (53), 3-4.5-6.8-9 (R: 6),  Jak 3, 16 – 4, 3;  Mk 9, 30-37 (Einheitsübersetzung der Hl. Schrift, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart)

weitere Literatur:

Thomas von Celano, 1. Lebensbeschreibung des Hl. Franziskus (=1 C),  hier:

1 C 107,5-7,  in: Dieter Berg, Leonhard Lehmann (Hg.), Franziskusquellen, Die Schriften des heiligen Franziskus, Lebensbeschreibungen, Chroniken und Zeugnisse über ihn und seine Orden, Kevelaer 2009, 263.

Mehr dazu: 

Wie ein kleiner Bach ist das Wasser bei unserer Haustür herein geronnen. Am Mittwoch, den 11. September war ein Sturzregen die Ursache, dass sich  einige Räume bei uns Franziskanern in Telfs sich zentimeterhoch mit Wasser füllten.  In unserer Hilflosigkeit riefen wir sofort die Feuerwehr. Etwa zehn Feuerwehrleute sind angerückt und haben ihre Saugmaschinen aus den Einsatzfahrzeugen gepackt. Rasch konnten sie den Wasser-Zufluss stoppen und die Räume entwässert.

Mich hat der Einsatz der Männer berührt – eine Frau war auch dabei. Nebenbei wurde zur gleichen Zeit das Fussball-WM Qualifikationsspiel Österreich Deutschland live übertragen. Sicher hätten auch einige der Einsatzkräfte gerne das spannende Match angeschaut. Warum tut ihr so was, habe ich einen jungen Helfer am nächsten Abend gefragt. „Ich weiß es auch nicht“, meinte er, „in dieser Nacht hatten wir noch andere Einsätze. Ich bin erst um halb drei Morgens nach Hause gekommen. Und um sieben in der Früh war noch ein Einsatz“. Er ist sich nicht klar, warum er als Feuerwehrmann anderen zur Seite steht.  Warum gibt es Menschen, die in bestimmten Situationen einfach „alles liegen und stehen lassen“, um anderen freiwillig zu helfen? Aus Neugier – weil sie gerne Notsituationen sehen, weil sie da Anerkennung erhoffen oder tun sie es einfach so, weil es schön ist anderen zu helfen? Ich denke, es gibt sicher viele Motive, die Menschen bewegen können, anderen – auch ohne Bezahlung –  zu helfen.

Einen Grund zeigt mir Jesus. Seine Apostel streiten sich einmal darüber, wer von ihnen der Größte sei. Da belehrt sie Jesus: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein“ (Mk 9,35b).  Die Apostel besprechen ein brennendes Thema. Welcher Mann will nicht groß sein, was erreichen. Wer will nicht Position haben, von anderen beachtet werden? Jesus greift diesen Wunsch auf. Meines Erachtens gibt er auch eine Antwort darauf. Er spricht dabei nicht vom „Groß sein“ sondern vom „Erster-sein“. Mir kommt vor, so viel Unterschied ist da nicht. Es gibt bei beiden Begriffen darum, dass der Mensch was erreicht, dass er einen Erfolg erzielt. Das ist möglich, betont Jesus. Das Erfolgsrezept ist dabei nicht, dass ich danach ringe über andere Macht auszuüben. Der Weg zum Erfolg, den Jesus meint, ist auch nicht, dass ich nur für mich das Leben genieße, und gemütlich zu Hause ein Fußballmatch verfolge, während andere meine Hilfe brauchen könnten. Der Weg zum Erfolg geht so, sagt Jesus: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein“ (Mk 9,35b).

Das ist der Weg zu Erfolg, zu einem geglückten Leben, sagt Jesus, dass ich von mir wegschauen lerne auf andere hin. Dass ich mich frage, wo braucht ein anderer meine Hilfe. So mache ich was aus meinem Leben, wenn ich für die da bin, die meine Unterstützung brauchen. Jesus setzt da ganz andere Maßstäbe als wir sie in der Welt haben.

Aktuelle herrschende Parolen lauten: Wenn du ganz vorne sein willst, dann musst rethorisch gut drauf sein, dann musst du mentales Training machen, viel Geld haben, dann musst du große körperliche Leistungen im Sport vollbringen, dann muss du Einfluss haben in der Gesellschaft. Für Jesus ist das nicht der erste und wichtigste Erfolg, zu menschlicher Größe. Wenn du willst, dass du was erreichst, dann musst du für andere da sein, behauptet er.  Ich denke da auch an Erkenntnisse der modernen Psychologie und Glücksforschung. Die sagen, der Menschen ist prinzipiell glücklicher, wenn er für andere da ist, wenn er solidarisch ist mit anderen, besonders mit Ärmeren.

War Jesus sagt, hat meines Erachtens noch eine tieferliegende Grundlage. Die Basis auf der Jesus, alles sieht und beurteilt ist die Existenz Gottes. Er weiß, dass dieser Gott wie ein liebevoller Vater ist. Jesus ist geprägt durch das Gottesbild der jüdischen heiligen Schriften. Zum Beispiel spricht ein Psalm, der zu diesen Schriften gehört: „Gott ist mein Helfer, der Herr beschütz mein Leben“ (Ps 54 (53),6).  Das jüdische Volk hat Gott immer als einen erlebt, der ihnen beisteht.  Ein Mensch, der sein Leben ganz auf diesen Gott ausrichten wollte, wurde damals „Gerechter“ genannt. So ein Gerechter hatte die Hoffnung auf einen Gott, der ihm beisteht, in allen Nöten. Im Buch der Weisheit ist uns ein Spottspruch über einen Gerechten überliefert: „Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an. Er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt“ (vgl. Weish 2,17-20). Also auch die Spötter kapieren, dass ein Mensch, der an Gott glaubt, überzeugt ist, dass Gott ihm hilft.

Meine Erfahrung ist, dass Gott mir hilft, dass er mir in Not beisteht. Das glaube ich fest. Auch wenn Gott mir nicht einfach jede Bitte erfüllt, wie ich es mir einbilde. Ich bin überzeugt, wenn ich erlebe, dass Gott mir beisteht, dann steckt mich diese göttliche liebevolle Haltung an. Dann möchte auch ich wie Gott handeln und anderen beistehen. So muss sich ein Gott-verbundener Mensch verhalten. Wie der Heilige Jakobus in seinem Brief schreibt, der Mensch, der im Sinne Gottes lebt, der weise ist, der ist „freundlich und voll Erbarmen“ (vgl. Jak 3,17).

Für mich gilt auch: Weil Gott mir beisteht, will ich auch anderen dienen, zu ihnen freundlich sein, ihnen helfen. Das gibt mir gleichzeitig menschliche Größe und das bedeutet Erfolg für mein Leben. Mir fällt dazu Franziskus von Assisi ein. Er wollt noch knapp vor seine Sterben, wo er schon ganz schwach war, sich für andere einsetzen. Er „wollte wieder zur Aussätzigenpflege zurückkehren“ , schreibt der Biograph Celano(1C 103,8). Obwohl er so krank und zerbrechlich war hatte er noch den Wunsch, für andere dazusein, den Ärmsten Menschen zu helfen.

Ich denke auch Feuerwehrleute und viele andere die ehrenamtlich für andere da sind, anderen in Not helfen. Können etwas von diesem Erfolg spüren, von diesem gelungenen Menschsein, wenn sie für andere da sind, besonders wenn andere Hilfe brauchen. Vielleicht macht gerade so eine Erfahrung Menschen Geschmack, dass sie freiwillig  denen helfen, die in Not sind. Ich bitte Jesus, dass er mir immer mehr diese wahre Größe des Lebensstils finden lässt. Dass ich immer mehr erleben kann: weil Gott zu mir so gut ist, will ich auch für andere da sein. So wird mein Leben zu einem Erfolg, wie Jesus sagt: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein“ (Mk 9,35b).