Kapitaen Concordia

„Es war wie im Film Tintanic,“ berichtet die Kinderanimateurin Bettina Weger. Sie hat auf der Costa Concordia gearbeitet und erzählt von der Panik, die auf dem Kreuzfahrtschiff  herrschte, nach dem es einen Felsen gerammt hatte (ORF, Heute in Österreich, 17.1. 2012h, 17h).

Wenn ich der Kapitän dieses Schiffes gewesen wäre, vielleicht hätte ich mich auch verführen lassen, Schifffahrtsregeln zu überschreiten und zu nahe an die Insel Giglio zu fahren, um anderen eine Freude zu machen.

Gott sei Dank bin ich nicht Kapitän so eines Riesen-luxusliners. Doch ich bin Lenker für mein Lebensschiff. Denn bildlich gesprochen bestimme ich die Fahrtroute durch mein Leben. Dabei erlebe ich auch verführerische Stimmen, die mich auf Abwege verleiten möchten. Vor allem sind es Stimmen in mir, die mich verführen möchten undankbar und feindselig zu leben.

Als Steuermann meiner Lebensroute habe ich einen Helfer. Jesus hilft mir, die sichere Route zu meinem Lebensziel anzusteuern. Jesus hilft mir auch die negativen, verführerischen Stimmen in mir zu besiegen. Denn Jesus hat schon damals unreine Geister ausgetrieben und er tut es heute noch(vgl. Mk 1,23-26).


Lesejahr B, 4. Sonntag im Jahreskreis 2012, Homilie, Br. Rene Dorer

Bibelstellen: Dtn 18:15-20; 1 Kor 7:32-35;Ps 95 (94), 1-9;  Mk 1,21-28

Andere Literatur:

Thomas von Celano, Mirakelbuch (=3C),  hier:

3C 155,4-6,  in: Dieter Berg, Leonhard Lehmann (Hg.), Franziskusquellen, Die Schriften des heiligen Franziskus, Lebensbeschreibungen, Chroniken und Zeugnisse über ihn und seine Orden, Kevelaer 2009, 475.

Mehr:

„Es war wie im Film Tintanic. Die Leute haben die Crewmitglieder geschlagen. Die Männer haben die Kinder nicht als erstes in die Rettungsboote hineingelassen“ berichtet die Kinderanimateurin Bettina Weger. Sie hat auf dem Kreuzfahrtschiff Costa Concordia gearbeitet, als diese Schiff zu nahe an eine Insel gesteuert wurde und deshalb auf einen Felsen auffuhr und zu sinken begann (ORF, Heute in Österreich, 17.1. 2012h, 17h). Die Erzählung von Bettina bewegt mich. Ich frage mich: Wie hätte ich reagiert. Hätte ich die Kraft gehabt anderen den Vortritt ins Rettungsschiff zu lassen.

Mich beschäftigt auch das Verhalten des Kapitäns, der schwerwiegende Fehler gemacht hat. Wenn ich in seiner Lage gewesen wäre, vielleicht wäre ich auch in Versuchung gekommen, zu nahe an die Insel Giglio heranzufahren, um anderen eine Freude zu machen. Gott sei Dank bin ich nicht Kapitän so eines Riesen-luxusliners. Doch ich bin Steuermann für mein Lebensschiff. Denn bildlich gesprochen bestimme ich die Fahrtroute durch mein Leben. Da muss ich mich auch an gewisse Regeln halten, damit ich gut ans Ziel komme, damit mein Leben gelingt.

Zu diesen Regeln gehören für auch die Zehn Gebote. Diese Lebensregeln soll der Prophet Mose am Berg Horeb von Gott persönlich erhalten haben. Die Zehn Gebote führen mich auf eine Reiseroute, auf der ich lerne, mit Gott und den Menschen in positiver Beziehung zu stehen.

Doch ich weiß, dass ich nicht nur Regeln brauche, um meine Lebensschiff gut zu lenken. Ich will mir dabei von einem noch größeren Propheten als Mose helfen lassen. Mose hat ja selbst einen bedeutenden Gottesboten angekündigt, als er sagte: „Der Herr sagte zu mir: Einen Propheten wie dich will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will ihm meine Worte in den Mund legen, und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm auftrage.“ Dieser Prophet, der den Menschen alles sagt, was er von Gott empfängt ist für mich Jesus.

Das haben die Leute schon damals gespürt: “Die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten“, schreibt Markus in seinem Evangelium (Mk 1, 22). Jesus lehrt mit göttlicher Vollmacht. So eindeutig wie noch niemand sagt uns Jesus, welchen Kurs Gott uns weisen will.

Und was mich so beeindruckt. Jesus redet nicht nur von der Reiseroute für unser Leben. Er kann uns auch vor allen verführerischen Stimmen retten. Vor den bösen Stimmen, die uns in gefährliche Gewässer lenken möchten. Diese gefährlichen Gedanken und Geister in uns kann Jesus besiegen. Das wird für mich deutlich, wenn Markus berichtet wie Jesus einen unreinen Geist aus einem Mann austreibt: „Schweig und verlass ihn“, hat Jesus dem unreinen Geist geboten. Und dieser zerstörerische Besetzer hat den Mann verlassen.

Ich glaube, dass Jesus auch mich von verführerischen Stimmen, von bösen Geistern befreien kann. Deshalb bete ich immer wieder, wenn ich böse Gedanken in mir habe: „Im Namen Jesu gebiete ich dir du unreiner Gedanke. Schweig und hau ab“. Ich erlebe, wie mir das immer wieder hilft, die Macht von bösen Ideen in mir zu zerbrechen.

Ich denke da auch an Franziskus von Assisi, der immer wieder böse Geister im Namen Jesu vertrieben hat.  Der Biograph Celano berichtet: Als Franziskus einmal im Städtchen San Gemini war, baten ihn die Leute eine Frau zu befreien, die von einem bösen Geist gequält wurde.  Nachdem sie den Heiligen hartnäckig gebeten hatte, hatte er zuerst mit drei Mitbrüdern gebetet. Dann ging er zur Frau und „gebot im Namen Jesu Christi, dem bösen Geist, dass er ausfahre. Dieser wich auf seinen Befehl mit Wut“ von der Frau, so berichtet Biograph Celano (3C 155,4-6). Der Heilige von Assisi zeigt mir, dass ich im Namen Jesu das Bösen, dass mich verführen will besiegen kann.

Ich glaube, dass Jesus mich und uns alle von bösen Gedanken, von verführerischen Stimmen befreit. So habe ich Kraft den Kurs der Liebe einzuschlagen und so sicher zu einem gelungenen Leben zu finden. Denn Jesus hat auch heute die Kraft, mich frei zu machen von bösen, verführerischen Stimmen in mir. Denn schon vor zweitausend Jahren hat er einem Bösen Geist befohlen: „Schweig und sei still“ (vgl. Mk 1,26-30).