Karfreitag 2017 Besinnung

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Wir blicken an diesem Tag besonders auf das Kreuz oder besser gesagt auf Jesus, der einen schweren Leidensweg auf sich genommen hat und am Kreuz gestorben ist. Sein Tod hat immense Bedeutung für die Weltgeschichte. Das Kreuz wird zum Symbol des Christlichen Glaubens, der die Weltgeschichte geprägt hat. Das Kreuz hat auch Bedeutung für unser alltägliches Leben. Weil es für Jesus steht. Wir glauben, dass Jesus uns in unserem Alltag nahe ist. Er ist bei uns mit der Liebe, die er auf seinem Leidensweg gezeigt hat.

So möchte ich beginnen mit dem Zeichen unseres Glaubens mit dem Kreuzzeichen: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Vater im Himmel, wir danken dir für Jesus. Er ist dein Wort, das du in die Welt gesprochen hast. Er ist das Licht, das in der Finsternis dieser Welt aufgeleuchtet ist. Wir können Jesus nur verstehen, wenn du uns mit deinem Heiligen Geist erfüllst. So bitten wir dich jetzt um den Heiligen Geist, damit wir das Licht erkennen und annehmen, das Licht, das uns im Leiden Jesu aufleuchtet.

1. Jesus wird mit Dornen gekrönt

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Jesus, die Soldaten machen aus dir eine Scherzfigur. Sie verspotten dich. Sie denken nicht nur schlecht über dich. Ihre bösen Gedanken werden zu Taten, sie machen dich mit ihren Spielchen zum Gelächter für die Menge.

Mir kommt dabei in den Sinn, dass ich über andere Menschen manchmal auch negative Gedanken hege. Ich bin versucht ihnen was Schlechtes zu wünschen, oder sie lächerlich zu machen, in meinem Denken: „Die mit ihrer angeberischen Art, die meint wohl sie ist was Besseres, und der da wie der gescheit redet, großes Maul und nichts dahinter“.

Jesus, ich möchte respektvoll denken über andere. Ich möchte in jedem das Gute entdecken, und ihm das Gute zutrauen.

Hilf mir, dass ich andere kröne nicht mit den Dornen meiner lieblosen verurteilenden Gedanken, sondern dass ich sie kröne mit der Krone, die aus Edelsteinen des Wohlwollens besteht – mit der Krone wertschätzender Gedanken.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser und sei uns gnädig wegen deines heiligsten Leidens und Sterbens.

2. Erste Station: Jesus wird zum Tod verurteilt

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Jesus, die Leute wollen dich beseitigen. Sie sagen zu dir „Ans Kreuz mit dir“. „Du bist ein Verräter Gottes, du bist ein Verräter unseres Volkes“. „Du bist schuldig“. „Du bist schlecht“.

Sie verurteilen dich, sich machen dir Vorwürfe.Wie muss dir das wehgetan haben. Da du doch nur das Beste für alle wolltest.

Ich denke daran, wie auch ich oft anderen Vorwürfen machen möchte. „Du bist schuld“. „Du machst das immer falsch“. „Du immer mit deinem blöden Fehlern“. „Du bist schuld, dass es mir so schlecht geht“. „Wenn du doch anders wärst“.

Andere anklagen, jemand einen Vorwurf machen kann in Einzelfällen notwendig sein. Doch meistens zerstören solche Vorwürfe die gute Stimmung und Beziehungen.

Jesus, gib mir deinen Geist, dass ich nicht andere anklage, dass ich nicht Verantwortung abschiebe, sondern selbst mein Leben so gut als möglich bestimme und das Gute in anderen sehe und es verstärke, in dem ich es ausspreche.

Danke, dass du immer das Essen so gut kochst.

Danke, dass du dich um das Auto kümmerst.

Danke, dass du mir hier wieder geholfen hast.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser und sei uns gnädig wegen deines heiligsten Leidens und Sterbens.

3. Vierte Station: Jesus begegnet seiner Mutter

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Maria ist ihrem leidenden Sohn nahe. Sie will ihm Mitgefühl zeigen in seinen ganz schweren Stunden. Es muss für sie erschreckend gewesen zu sein, ihren Sohn auf diesem Weg der Qual zu begleiten.

Bestimmt hat sie sich gefragt: „Warum dieses schwere Leid? Wie kann Gott das zulassen? Wie kann Gott zuschauen, dass sein geliebter Sohn so leiden muss? Wenn es einen Gott gibt, warum verhindert er das nicht alles?“

Ich denke, Maria ist überzeugt: Dieses Leid kommt nicht von Gott. Die Menschen sind es, die Jesus dieses Leid zufügen. Das Böse, der Böse steckt hinter diesem Leiden. Gott gibt den Menschen und dem Bösen einen gewissen Freiraum zu handeln. Mir scheint, das erklärt vieles vom Leiden in dieser Welt.

Ich kann mir vorstellen, dass Maria überzeugt ist: Gott ist gut, er ist immer gut, er will eine gute Zukunft für alle Menschen. Und mein Sohn Jesus baut auf diesen guten Gott, deshalb wird er die gute Zukunft von Gott empfangen.

Maria, bitte für uns, dass auch wir an diesem Glauben festhalten, dass wir trotz allem Leid, das wir erleben, bekennen: „Gott du bist gut, du willst das Gute für alle, und du führst alles zum Guten, bei denen, die ihn lieben.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser und sei uns gnädig wegen deines heiligsten Leidens und Sterbens.

4. Sechste Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Das Veronika Jesus auf dem Weg begegnet ist, dass sie ihm ein Schweißtuch gereicht hat, steht nicht in der Bibel. Es ist eine Legende. Doch diese Legende steht für eine historische Wahrheit. Bestimmt hat es Menschen gegeben, die auf der Seite Jesus gestanden sind, obwohl er zum Tod verurteil worden ist.

Ich denke dabei an die vielen Christen weltweit, die an Jesus glauben, die aus der Kraft dieses Glaubens leben. Ich denke an all die Christen, die sich auch sagen: „Ich glaube an Jesus, ich stehe zu ihm, ich bekenne mich zu ihm. Auch wenn mich andere dafür bedrohen, wenn ich damit in Gefahr gehe, gesellschaftliche Nachteile zu haben oder sogar verfolgt zu werden. Der Glaube an Jesus ist mir wichtiger, denn er schenkt mir Leben und Trost, er schenkt mir ewiges Leben.“

Ich denke an die vielen Christen, die trotz Gefahr und Verfolgung ihren Glauben bekennen.

Jesus wir bitten dich, stärke diese Christen, dass sie sich weiter mutig zu dir bekennen und so auch andere zum Glauben an dich führen können.

Ich möchte besonders bitten für die über 40 koptischen Christen, die am vergangenen Sonntag in Ägypten bei einem Gottesdienst getötet wurden, schenke ihnen ewiges Leben und schenk den Angehörigen einen starken Glauben, in dem sie Trost finden. Schenke uns den Mut, uns zum Glauben an dich in aller Öffentlichkeit zu bekennen.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser und sei uns gnädig wegen deines heiligsten Leidens und Sterbens.

5. Siebte Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz.

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Jesus du fällst zum zweiten Mal.

Dein Fall lässt mich daran denken, dass wir oft fallen, wir fallen rein, auf unsere negativen Leidenschaften. Ich denke an die Gier nach immer mehr Haben. Ich denke daran, wie diese Gier zu Erbstreitigkeiten führt und so ganze Familien zerstört. Geschwister reden jahrelang schlecht über einander und sie gehen sich aus dem Weg.

Ich bitte dich Jesus, du gibst auch uns die Kraft, gelassener zu leben, nicht zu sehr an den Dingen zu hängen, und mehr die Beziehungen in den Mittelpunkt zu stellen. Gib uns die Kraft liebevoll und respektvoll miteinander umzugehen, Probleme zu besprechen und gemeinsam Lösungen zu suchen.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser und sei uns gnädig wegen deines heiligsten Leidens und Sterbens.

6. Zehnte Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Sie reißen dir die Kleider vom Leib. Du stehst nackt da. Die Leute schauen dich an. Es sind nicht nur liebevolle Blicke, die dich treffen.

Bestimmt sind das Blicke dabei, in denen Schadenfreude ist und Spott. Diese verachtenden Blicke sehen nicht, wie wertvoll du bist, dass du eine Würde hast. Ich denke dabei an den Blick, mit dem ich mich selber anschaue. Wie viel ist da oft Verachtung dabei:

Ich bin eh nichts wert.

Ich bin eh nicht ok.

Ich bin eh zu wenig fähig für das und das.

Ich bin eh nicht gut genug, nicht schön genug.

Jesus, ich bitte dich um deinen Heiligen Geist, der mich bewegt, mich mit einem wertschätzenden Blick anzuschauen. Dass ich dann immer mehr sagen kann:

Ich bin wertvoll, weil ich Geschöpf Gottes bin.

Ich bin geliebt, weil Jesus sein Leben auch für mich gegeben hat.

Ich bin befähigt mit vielen Talenten, die mir Gott gegeben hat.

Ich bin bestimmt für eine gute Zukunft, weil der Heilige Geist mich führt.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser und sei uns gnädig wegen deines heiligsten Leidens und Sterbens.

7. zwölfte Station: Jesus stirbt am Kreuz

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Angenagelt an das Kreuz. Angebunden. Jesus, du kannst kaum atmen, weil die Last deine Körpers an deinen Armen hängt.

Du siehst die Menschen vor dir, die sich über deinen Schaden freuen, denen dein Schmerz gleichgültig ist.

Du betest: Vater vergib ihnen.

Du  bist bereit deinen Feinden zu vergeben, du bittest den Vater im Himmel um Vergebung, für die, die dir so ein großes Unrecht antun.

Jesus, ich glaube, deine Bitte um Vergebung ist übermenschlich. Ich denke, sie ist göttlich, sie ist ein Zeichen dafür, dass Gott in dir ist, dass du Gott sichtbar machst, dass du selbst Gott bist.

Ich glaube, du bist der Gott, der auch mir vergibt Jesus.

Wir Christen glauben, dass wir bei dir die Vergebung unserer Sünden finden.

Jesus ich will immer wieder dich um Vergebung meiner Sünden bitten. Auch wenn es nur kleine Sünden sind. Zu glauben, dass du mir die Sünden vergibst, das befreit mich und erleichtert mich. Das gibt mir Kraft immer wieder neu zu beginnen.

Ich nütze auch oft die Beichte als Ort, wo mir ein Priester deine Vergebung auf den Kopf hin zuspricht. Ich gehe zur Beichte, weil mir das gut tut.

Jesus, ich bitte dich für uns alle: Lass und wachsen im Vertrauen, dass du voll Erbarmen bist, dass du immer vergibst, wenn wir bereuen und uns an dich wenden.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser und sei uns gnädig wegen deines heiligsten Leidens und Sterbens.

8. Dreizehnte Station: Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt.

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Den toten Leib deines Sohnes hast du auf deinem Schoß liegen, Maria.

Was muss das für Schmerz gewesen sein.

Gleichzeitig vermute ich, hast du Hoffnung gespürt. Eine Hoffnung, die auch im Psalm 23 ausgedrückt ist:

„Muss ich auch wandern durchs finstere Tal, ich fürchte kein Unheil, denn du Gott bist bei mir“.

Maria, zusammen mit dir, bitten wir Gott um Hoffnung für die vielen Menschen, die in diesen Tagen ihre Lieben verloren haben.

Wir beten für alle, die um einen Verstorben trauen, in unserer Verwandtschaft, Bekanntschaft, Nachbarschaft.

Wir beten für die Angehörigen der Opfer von Terroranschlägen, wir denken besonders an die Opfer der Terrorattacken in Stockholm, London, Berlin, München, Nizza und im Nahen Osten.

Wir denken an alle, die vom Krieg in Syrien betroffen sind, die ihre Babys und Kinder, ihre Angehörigen im Krieg verloren haben.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser und sei uns gnädig wegen deines heiligsten Leidens und Sterbens.

9. Vierzehnte Station: Jesus wird ins Grab gelegt.

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Josef von Arimathäa bittet um die Leiche von Jesus. Er beerdigt sie in seinem Felsengrab. Jesus ist verschlossen hinter einem schweren Stein, in einer dunklen Felshöhle. Jesus, du gehst an den Ort, den alle fürchten: Du steigst in den Tod, in das Totenreich hinab.

Ich glaube, dein Hinabsteigen in das Totenreich hat eine Bedeutung für alle Menschen. Denn du bist nicht nur Mensch. Du bist Gott selbst, wie wir Christen glauben. Du bist Gott, der in das Totenreich steigt, um dorthin die Kraft des Lebens zu bringen.

Jesus, ich glaube, dass du auch schon in meinen Tod hineingestiegen bist, dass du auch schon meinen Tod mit deinem Leben erfüllt und ihn so besiegt hast.

Ich glaube, dass du die Auferstehung bist. Dieser Glaube gibt mir unendliche Hoffnung, und er schenkt mir tiefe Geborgenheit.

Jesus stärke uns im Glauben an dich, der du das Leben bist, die Auferstehung und der Sieg über den Tod.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser und sei uns gnädig wegen deines heiligsten Leidens und Sterbens.

 

Abschluss:

Ich freue mich, dass ihr bei dieser Heiligen Andacht am Karfreitag dabei wart. Wir haben Jesus auf dem Leidensweg begleitet. Ich glaube: Er begleitet uns mit seine Liebe und Kraft, die er am Kreuzweg gezeigt hat.

Ich wünsche uns allen, dass wir mit Jesus verbunden bleiben in unserem Alltag, dass wir uns auch immer wieder mit ihm verbinden, wenn wir auf das Kreuz blicken und so an ihn denken.

Ich wünsche uns allen, dass wir Gemeinschaft mit Jesus auch erleben, wenn wir in diesen Tagen die Ostergottesdienste mitfeiern. Ich wünsche euch allen jetzt schon frohe Ostern.