Kreuzbild das in San Damiano hängt(Assisi)

Karfreitag im Jahr des Glaubens

Kreuzbild das in San Damiano hängt(Assisi)

Liebe Hörerinnen und Hörer von Radio Osttirol. Herzlich willkommen, bei den Karfreitagsbetrachtungen 2013. Ich bin Bruder Rene Dorer. (zum Audio)

Der Karfreitag ist einer der höchsten Feiertage der Christen. Heute Abend wird auch der neue Papst Franziskus im Kolosseum in Rom bei einem Kreuzweg an das Leiden Jesu denken und beten. Millionen Menschen werden weltweit diese Feier in Rom verfolgen. Der neue Papst hat sich einen Namenspatron erwählt, der selbst eine innige Verehrung zum Kreuz, zum leidenden Jesus hatte: Franziskus von Assisi. „Wir müssen Jesus, den Gekreuzigten, verkünden“, betonte auch Papst Franziskus bei seiner ersten Predigt vor den Kardinälen beim Abschluss des Konklave. In diesen Betrachtungen können wir Jesus, den Gekreuzigten, näher kennen lernen und zu ihm beten.

Dieses Jahr hat schon Papst Benedikt zum „Jahr des Glaubens“ ausgerufen. Es sollte ein Jahr sein, das hilft neu zu entdecken, was es heißt, christlich zu glauben. Deshalb möchte ich bei den Betrachtungen zum Karfreitag auch an zentrale Aussagen unseres Glaubensbekenntnisses denken. Ich werde dabei nicht alle Stationen des traditionellen Kreuzweges in den Blick nehmen, sondern einige Episoden vom Leidensweg des Herrn auswählen.

Lasst uns beten. Ich bitte dich gütiger Gott, hilf uns, dass wir verstehen, was du uns durch deinen Sohn Jesus Christus sagen möchtest. Hilf uns mitten im Dunkel des Bösen und des Hasses, das Licht der Liebe zu erkennen, das im Leiden und der Auferstehung deines Sohne für uns aufstrahlt, darum bitten wir durch Christus unsern Herrn.

 

1. Jesus betet im Garten Getsemani

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Am Abend vor seinem Leiden zieht sich Jesus mit seinen Jüngern in den Garten Getsemani am Ölberg zurück. Er hat Angst vor dem was ihn erwartet. Er betet: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst“ (Mt 26,39). Jesus wendet sich an Gott, den er Vater, nennt. Er will immer auf diesen Vater im Himmel hören und nur das tun, was in seinem Sinn ist.

Ich bin froh, dass ich von Jesus gelernt habe, Gott als „Vater“, „Unser Vater“ anzusprechen. Ich weiß allerdings, dass das Wort „Vater“ für manche auch sehr negative besetzt ist, wenn sie mit ihrem eigenen Vater schlechte Erfahrungen gemacht haben. Ich denke aber, dass auch diese Menschen, wenn sie sich von der Botschaft Jesu leiten lassen, mit der Zeit eine Heilung ihres Vaterbildes erreichen können. Denn Jesus zeigt uns was einen wirklich guten Vater ausmacht.

„Ich glaube an Gott, den Vater“, so beginnt unser Glaubensbekenntnis.

Den Glauben an Gott, den Gott Abrahams, teilen mit uns auch die Juden und die Muslime. Doch Jesus lehrt uns diesen Gott „Abba“, „lieber Vater“ zu nennen. Jesus hilft mir zu erleben, Gott ist für mich da als ein liebevoller Gott, der das Beste für mich will. Deshalb kann ich diesem Gott auch voll vertrauen. Ich brauch keine Angst zu haben, dass ich mit diesem Gott irgendetwas Wichtiges verlieren können. Im Gegenteil, er kennt mich besser, als ich mich selbst kenne, und er weiß, was mir auf Dauer gut tut. Auch wenn das für mich bedeuten kann, dass der Weg, den Gott mich führt, nicht immer leicht ist, aber es ist bestimmt der Leichtestes und im Endeffekt der Beste. Deshalb will ich mit Jesus immer wieder beten: „Ich glaube an Gott, den Vater. Abba, lieber Papa, nicht mein Wille sondern dein Wille soll geschehen“.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser.

2. Station: Jesus wird mit Dornen gekrönt

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Aus dem Johannesevangelium: „Darauf ließ Pilatus Jesus geißeln. 2 Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. 3 Sie stellten sich vor ihn hin und sagten: Heil dir, König der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht“ (vgl. Joh 19,1-3).

 

„Heil dir, König der Juden“, verlachen die Leute dich Jesus. Du stehst da als Spottfigur mit einer Dornenkrone. Jesus, du bist für mich wirkliche kein Scherz, du bist für mich ein König, weil du die Macht hast, den Menschen die Wahrheit zu zeigen. Die Wahrheit, dass es Gott gibt, der ein guter Vater ist, die Wahrheit, dass du den Menschen hilfst diesem Gott zu begegnen. Die Wahrheit, dass du der „Weg zu diesem Gott“ bist. Das kannst du Jesus, das ist deine Macht, die kein anderer Mensch, so wie du hat. Das glaube ich. Deshalb kannst du, Jesus, dieser Welt das Beste und Größte geben, wie es kein Machthaber der Welt es bieten kann. Deshalb kannst du der Welt die wahre Entwicklung bringen, weil du den Menschen lehrst, dass er Kind Gottes ist, berufen zu Großem, vor allem zu einem Miteinander in Liebe. Deshalb bist du für mich der wahre Machthaber dieser Welt. Dass du wahrer König bist, bekennen wir im Glaubensbekenntnis, wenn wir sprechen: Ich glaube an Jesus Christus, unseren Herrn. Der Titel „Herr“ kommt vom griechischen Kyrios: Das war früher eine Bezeichnung, die man Herrschern, Königen gab.

Jesus, ich will bekennen, das du mein Herrn und König bist, der Macht hat, mich mit dem Glück, mit der wahren Liebe, mit Gott in Verbindung zu bringen. Jesus ich möchte dich krönen mit der Krone meiner Aufmerksamkeit, meiner Dankbarkeit und auch mit der Krone meines Bekenntnisses für dich in aller Öffentlichkeit.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser.

 

3. Jesus wird zum Tod verurteilt

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Aus dem Markusevangelium: „Da schrien sie: Kreuzige ihn! Pilatus entgegnete: Was hat er denn für ein Verbrechen begangen? Sie schrien noch lauter: Kreuzige ihn! Darauf ließ Pilatus, um die Menge zufriedenzustellen, Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen“ (Mk 15,13-15).

Jesus versuchte nach seinem besten Gewissen zu leben und wird dafür getötet.

Auch das zeigt mir, wie ungerecht es in unserer Welt zugeht. Wie grob wir Menschen oft sein können. Ich denke da auch an die Kultur des Todes, die auch in unseren christlichen Ländern herrscht: Dort, wo wir nicht auf Nachhaltigkeit achten, wo wir die Natur ausbeuten und zu wenig Rücksicht nehmen auf die Zukunft unseres Planeten. Ich denke da auch an die vielen Kinder, die in unseren Ländern im Mutterleib getötet werden, weil sie nicht in die Lebensplanung passen, weil sie „Downsyndrom“ haben. Ich denke da auch an die grausamen Bürgerkriege, wie auch das gegenseitige Abschlachten in Syrien, das bis jetzt etwa 70.000 Tote gefordert hat.

Diese Zerstörungsbilanz kann nicht von Gott kommen. Die kann nur vom Bösen stammen. Denn wir bekennen im Glaubensbekenntnis: „Ich glauben an den Schöpfer des Himmels und der Erde“. Wenn ich das bekenne, bekenne ich auch, dass jeder Mensch im Letzten von Gott gewollt ist – ein Geschöpf Gottes ist, und dass besonders das Leben des Menschen heilig ist. „Gott hat den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden“ (Weish 1,13), heißt es im Buch der Weisheit.

Jesus ich bitte dich, hilf uns, dass wir alles Leben wertschätzen. Das wir auf unser eigenes Leben gut schauen, dass wir für unsere Gesundheit Sorge tragen. Jesus hilf uns, dass wir uns einsetzen für eine Kultur des Lebens, dass wir das Leben verteidigen, besonders das menschliche Leben von der Empfängnis im Mutterleib bis zum natürlichen Tod. Hilf uns, dass wir auch das Leben der Natur schützen.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser.

 

4. Station: Jesus begegnet seiner weinenden Mutter

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Maria, du lässt Jesus in seinen schwersten Stunden nicht im Stich. Du fühlst mit ihm, du willst ihn stützen. Von Anfang an hat Maria eine einzigartige Beziehung zu Jesus. Als Mutter Jesu hast sie eine entscheidende Rolle gespielt dafür, dass es Jesus als den wahren Menschen und Gott gibt. Wie der Engel Maria verkündet hat, kam dazu noch die Kraft des Höchsten, der Heilige Geist, der da mitgespielt hat, dass das Wunder der Menschwerdung Gottes geschehen konnte.

Im Glaubensbekenntnis bekennen wir: Ich glaube an Jesus Christus, geboren von der Jungfrau Maria. Maria, war in wesentlichen Momenten bei ihrem Sohn. Sie war auch beim Sterben Jesu dabei. Als zu Pfingsten der Geist Gottes mit Macht auf die Jüngerinnen und Jünger Jesu herabkam und so die Geschichte der Kirche begann, war Maria unter den Glaubenden.

Ich glaube, so wie Millionen Gläubige, dass Maria weiterhin alle, die an Jesus glauben, die Gemeinschaft der Kirche, besonders begleitet. Das 2. Vatikanische Konzil hat es so formuliert: Die selige Jungfrau Maria ist auch mit der Kirche auf das innigste verbunden. Alle Christengläubigen mögen inständig zur Mutter Gottes und Mutter der Menschen flehen, dass sie … bei ihrem Sohn Fürbitte einlege. So viele Millionen Glaubende haben Maria um ihre Hilfe gebeten, und haben erlebt. Sie ist eine besondere Begleiterin, eine Fürsprecherin und Mutter, die Sorge trägt.

Maria, du hast deinen Sohn am Kreuzweg begleitet. Begleite auch uns, die wir an Jesus glauben, und bitte für uns bei deinem Sohn. Wenn wir auf Schwierigkeiten und Ablehnung stoßen, weil wir glauben, dann möge Jesus uns durch deine Fürsprache Freude und Ausdauer im Glauben schenken.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

 

5. Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Mitten unter den Schaulustigen, mitten unter der spottenden Menge hast du, Veronika, den Mut, herauszutreten, in aller Öffentlichkeit zu Jesus hinzugehen. Du reichst ihm ein Tuch, um den Schweiß, den Schmutz und das Blut seines Gesichtes aufzusaugen. Veronika, du mutige Frau. Woher hast die deine Courage. Mir kommen da die meisten Jünger Jesu in den Sinn, die ganz anders gehandelt haben. Sie haben sich aus dem Staub gemacht als es gefährlich wurde. Der Bedeutendste von ihnen, Petrus, hat in diesen Stunden geleugnet, dass er Jesus kennt. Nach dem Tod ihres Meisters habe sie sich eingesperrt und versteckt, so feig waren sie.

Veronika, du mutige Frau, du lässt mich an Pfingsten denken. Als dort die Jünger und Jüngerinnen Jesu versammelt waren und mit Maria beteten kam plötzlich mit Macht der Heilige Geist auf sie herab. Von da an begannen die verängstigten Anhänger und Jüngerinnen Jesu in aller Öffentlichkeit aufzutreten. Mutig fingen sie an, ihren Glauben an Jesus den Auferstandenen zu bekennen. Es war der Geist Gottes, der Geist Jesu, der ihnen den Mut gegeben hat, das zu tun.

Veronika, du mutige Frau, mir scheint, auch du hattest was von diesem Geist Jesu in dir, als du vor allen anderen zu Jesus am Kreuzweg hingingst und ihm das Tuch reichtest. Im Glaubensbekenntnis bekennen wir: „Ich glaube an den Heiligen Geist“. Ich vertraue auf deinen Heiligen Geist, der auch mir etwas vom Mut der Veronika gibt, damit ich es wage in der Öffentlichkeit meinen Glauben zu bekennen.

Jesus, ich bitte dich für uns alle, und für Verantwortliche in der Politik, dass wir mutig unseren Glauben bekennen und uns für christliche Werte einsetzen.

Erbarme dich unser o Jesus, erbarme dich unser.

 

6. Jesus verspricht einem Verbrecher das Paradies

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Aus dem Lukasevangelium: „Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns!40 Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. 41 Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. 42 Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. 43 Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“. (Lk 23,39-42)

Ein Verbrecher verspottet Jesus. Der andere glaubt, dass Jesus ihm helfen kann, das ewige Glück, das Paradies, zu finden. Wie kommt es, dass sie so verschiedene Sichtweisen haben. Ich denke, wie ich andere Menschen sehe, hängt immer von meinen inneren Einstellungen ab. Wenn ich in mir viel Mist und böse Gedanken, dann werde ich in den anderen auch eher das Schlechte sehen. Wenn ich in mir eine wohlwollende Haltung habe, ein liebevolle Einstellung, dann wird es mir leichter fallen in anderen auch die guten Seiten zu sehen.

Und gleichzeitig denke ich, dass da Gott auch noch mitspielt. Ich bin überzeugt, dass alle Menschen, die innerlich nach dem Guten Streben, auch ein tieferes Gespür für Übernatürliches haben können. Wenn ein Verbrecher spürt, Jesus kann mir helfen, das ewige Glück zu finden, dann sehe ich darin ein Vertrauen, das nur Gott schenken kann. Ich bin überzeugt, alles was mit der Ewigkeit zu tun hat, alles was über die sichtbare Welt hinausgeht, muss uns Gott selbst erschließen. Mir fällt dazu auch das Wort Jesu ein: Ich werde euch den Beistand, den Heiligen Geist senden, der wird euch in die ganze Wahrheit einführen. „Ich glaube an den Heiligen Geist“, beten wir im Glaubensbekenntnis. Ich glaube, dass Jesus uns den Geist geben kann, der uns hilft, das Innerste Gottes zu erkennen, den Geist, der uns vertrauen lässt: Jesus du hilfst mir das Paradies zu finden.

Deshalb möchte auch ich ähnlich wie der Verbrecher am Kreuz beten, Jesus denk an mich, vom Paradies aus, führe mich und führe die in das ewige Glück, die am meisten deine Hilfe brauche.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser.

7. Jesus wird am Kreuz erhöht

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Aus dem Johannesevangelium: „Jesus sprach: >Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen< (Joh 12, 32).

Alle wirst du zu dir hin bewegen, behauptest du, Jesus. Bei vielen wird dir das Gelingen. Ich denke an die Milliarden von Glaubenden, die auf dein Kreuz geblickt haben und dabei gespürt haben, der da am Kreuz kann mir helfen. Ich denke das zieht so viele zu dir hin: dein Vertrauen in Gott, dein Liebe zu den Feinden, die am Kreuz sichtbar wird. Mit den „Fesseln deiner Liebe“ ziehst du die Menschen durch die Jahrhunderte an dich. Menschen spüren,  bei dir ist es gut sein. Bei dir ist die wahre Liebe, ist Gott.

Alle Menschen, die sich in eine Begegnung mit dir hineinziehen lassen, die auf dich vertrauen, bilden die Gemeinschaft der universellen Kirche. Diese Kirche ist in den verschieden christlichen Konfessionen unterschiedlich verwirklicht. „Ich glaube an die heilige, katholische Kirche“, beten wir im Glaubensbekenntnis, damit ist nicht nur die römisch katholische Kirche gemeint sondern letztlich alle, die sich von Jesus anziehen lassen, die an Jesus glauben. Diese Kirche ist heilig, nicht weil die Glaubenden alle ohne Sünden wären, sondern weil der Heilige, Jesus Christus, in der Kirche erfahrbar ist, er der alle an sich zieht und heilen will.

Jesus ich bitte dich für die heilige Kirche, für alle die an dich glauben, hilf uns, dass wir uns hinziehen lassen zu einer Begegnung mit dir, dann werden wir Heilung finden.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser.

 

8. Jesus, der am Kreuz vergibt

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

Aus dem Lukasevangelium: „Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie Jesus und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links. 34 Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. (Lk 23,33-34).

Sie haben geschrien „Kreuzige ihn“, sie haben dich verspotten, dir die Kleider weggenommen, deine Hände und Füße mit Nägeln durchbohrt und jetzt hängst du am Kreuz. Mir scheint, da müsste eigentliche eine Wut in deinem Bauch sein. Aber du betest: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.Jesus, du bittest Gott für sie um Vergebung. Du vertraust in einen gütigen Vater im Himmel, der denen die Schuld vergibt, die bereuen. Du vertraust in einen Gott, „der nicht müde wird zu vergeben“, wie ihn Papst Franziskus bei seinem ersten Angelus-Gebet am Petersplatz verkündet hat. Und er fügt hinzu: „Aber wir müssen Gott um Vergebung bitten, sonst können wir sie nicht empfangen“. Diese Botschaft von Papst Franziskus hat mir gefallen. Sie gehört zum zentralen Inhalt unseres Glaubens. Wir beten im Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an die Vergebung der Sünden“.

Jesus, du bittest den Vater um Vergebung für Menschen voller Hass. Zwar bin ich nicht voller Hass, aber auch bei fehlt viel an Liebe, die ich Gott und den Menschen geben müsste. Das ist meine Sünde. Schenke mir und uns allen immer wieder die Vergebung der Sünden. Dann brauch ich meine Schwächen nicht verdrängen, aber auch nicht an ihnen hängen bleiben. Sondern ich kann in die Zukunft schauen und vertrauen, dass du mir hilfst, die Sünde zu meiden. Dann kann ich mir sicher sein, dass du die Kraft gibst.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser.

 

9. Jesus wird in das Grab gelegt

Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Aus dem Markusevangelium: „Josef von Arimathäa kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes. (Mk 15,46).Das Grab ist fest verschlossen mit einem schweren Stein. Doch schon am dritten Tag danach ist der Stein von der Graböffnung entfernt. Die letzte Ruhestätte Jesu ist leer. Der Leichnam gestohlen? Ein Betrug der Jünger, die dann erfinden, dass Jesus auferstanden sei, wie einige den ersten Christen vorwerfen?

Wenn die ganze Sache mit der Auferstehung erfunden wäre, dann gäbe es bestimmt nicht so verschiedene, sich zum Teil widersprechende Auferstehungsberichte. Wenn die Jünger das aller erfunden hätten, wären sie später sicher nicht bereit gewesen, für einen Schwindel Gefängnis und Leben zu riskieren. Den Frauen, die ratlos im leeren Grab stehen, werden zwei Engel sagen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten“ (vgl. Lk 24,5).

Jesus ist der Lebende, der Auferstandene, das glauben wir Christen, das glaube ich. Dass er der Lebende ist, hat auch Auswirkungen auf uns Menschen. Ich vertraue auf die Worte Jesu: „Jeder der an mich glaubt wird in Ewigkeit nicht sterben, er hat das ewige Leben“ (vgl. Joh 11,26). Diesen Glauben drücken wir aus im Glaubensbekenntnis mit den Worten: „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“.

Die Auferstehung, die mir Jesus schenkt, wenn ich an ihn glaube, beginnt nicht erst nach unserem irdischen Tot. Sie beginnt schon in diesem Leben. Denn wenn ich an Jesus glaube, dann kann ich in dieser Welt schon Gott berühren, dann kann ich hier schon etwas vom Glück des Himmels spüren.

Jesus ich bitte dich, schenk mir und uns allen einen starken Glauben an dich, dann werde ich mit dir auferstehen und ein neuer Mensch sein, der das Böse und die Sünde besiegt, ein Mensch, der das wahre Glück des Lebens findet: die Gemeinschaft mit Gott und die Verbundenheit mit allen.

Erbarme dich unser, oh Jesus, erbarme dich unser.

 

Abschluss:

Das war die Karfreitagsbetrachtung von Radio Osttirol. Ich bin Bruder René Dorer von den Franziskanern. Freut mich, dass sie zugehört haben und vielleicht auch ein wenig mitgebetet haben.

Mit den Osterfeiertagen, wird wohl auch bald der Frühling in das schöne Osttirol kommen. Ich hoffe, dass der Frühling auch in die Herzen vieler Osttiroler und derer, die darüber hinaus wohnen, kommt, gerade auch dann wenn wir die Gottesdienste in diesen Tagen mitfeiern.

Für sie und ihre Lieben erbitte ich den Segen Gottes und wünsche im Voraus frohe Ostertage.

Diese Betrachtungen wurden im Radio Osttirol am Karfreitag, 29. April 2013, gesendet.