Mein Kraftplatz

Auf das mächtige Bergmassiv des Untersbergs bin ich zu gefahren, vergangene Woche auf dem Weg von Salzburg Richtung Tirol. Imposant wirkte der Bergblock auf mich. Dalai Lama soll einmal gesagt haben: Dieser Berg ist das „Herzchakra Europas“.  Für viele ist dieser Platz ein Kraftort. Die Natur ist auch für mich immer wieder eine Kraftquelle.

Ich denke da auch an Jesus. Für ihn war der Tempel in Jerusalem ein besonderer Kraftplatz. Einmal spricht Jesus von einem ganz anderen Tempel. Er nennt seinen Leib einen Tempel, Kraftort Gottes (Joh 2,19-22). Für mich ist Jesus der Tempel Gottes. Denn bei Jesus finde ich die Kraft Gottes, die echte universale Lebensenergie. Deshalb ist Jesus d e r Kraftplatz (Joh 2,19-22).

Lesejahr B, 3. Sonntag in der Quadragesima 2012, Homilie, Br. René Dorer

Bibelstellen: Lesung: Ex 20,1-17 ;  1 Kor 1,22-25 ; Ps 19 (18), 8-12;  Joh 2,13-25

Andere Literatur:

Gebet vor dem Kreuzbild von San Damiano (= GebKr), hier: GebKr, in: Dieter Berg, Leonhard Lehmann (Hg.), Franziskusquellen, Die Schriften des heiligen Franziskus, Lebensbeschreibungen, Chroniken und Zeugnisse über ihn und seine Orden, Kevelaer 2009, 13.

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Auf das mächtige Bergmassiv des Untersbergs bin ich zu gefahren. Ich war gerade mit einem Mitbruder von der Stadt Salzburg aus Richtung Tirol aufgebrochen. Imposant wirkte der breite Bergblock des Untersbergs vor mir in Abendsonne. Ich dachte, dass schon Hitler diesen Berg bewunderte, ja vielleicht sogar verehrte. Für manche ist dieser Berg noch heute ein Kraftort. Dalai Lama soll einmal gesagt haben, dieser Berg ist das „Herzchakra Europas“. Manchen Quellen dieses Berges sagt man besondere Heilwirkung zu.

Könnte so ein Berg für mich ein Kraftort sein. Ja bestimmt, den Natur und Bewegung in der Natur mag ich, das erbaut mich – relativ egal welcher Berg es ist.

Ich habe auch noch andere Kraftorte, die mir Energie geben: Dazu gehören  Menschen, die ich zu meinen Freunden zähle. Dazu gehört vor allem mein Glaube.  Ich glaube an den Gott Israels, der so viel Energie hat, dass er Menschen in die Freiheit führen kann. Dieser Gott hat zum Volk Israel am Sinai gesprochen:  „Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus“ (Ex 20,2). Der Gott Israels, der zu seinem Volk geprochen hat ist die wirkliche universale Lebensenergie, die den Menschen befreien kann, frei machen kann für ein Leben in Liebe.

Deshalb finden die Menschen belebende Kraft, die auf die Stimme dieses Gottes hören. Wie es der Gläubig im Psalm singt: „Die Weisung des Herrn ist vollkommen, sie erquickt den Menschen“ (Ps 19 (18), 8). Gott erquickt, erfrischt den Menschen, der auf ihn hört.

Die Begegnung mit diesem Gott haben die Hebräer vor allem auch im Tempel von Jerusalem gesucht. Dieses Gebäude war für sie d e r Kraftplatz schlechthin. Denn sie haben vertraut, dass hier Gott ihre Gebete besonders erhört und dass Gott die Menschen so in die wahre Freiheit der Kinder Gottes führt.

Auch Jesus war dieser Tempel sehr wertvoll. Deshalb reagiert er einmal sehr scharf, als er im Tempel Händler und Geldwechsler findet. Für ihn ist das ein Missbrauch dieses Ortes. Er kann es nicht ertragen, dass man im Tempel Geschäfte machte.

Deshalb macht er sich ein Peitsche aus Stricken und treibt die Geschäftemacher aus dem Tempel hinaus. „Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten“, sagt Jesus den verwunderten  Juden.  Doch Jesus meinte dabei nicht den Jerusalemer Tempel sondern seinen Leib, macht  der Evangelist Johannes klar. Der Körper ist ein Tempel, behauptet Jesus damit. Diesen Tempel, seinen Leib werden die Leute niederreißen, wenn sie Jesus zum Tod am Kreuz verurteilen. Doch Jesus wird ihn selbst wieder aufbauen. Nach drei Tagen wird er auferstehen.

Für mich ist Jesus d e r Tempel. Er ist der Platz, wo ich Gott finde, die Kraft Gottes. Das ist für mich die universelle Lebensenergie. Jesus ist mein Kraftort schlechthin.

Das drückt für mich auch der Heilige Apostel Paulus aus in seinem Brief an die Korinther: „Wir verkündigen Christus als den Gekreuzigten: Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1 Kor 1,23-24). Deshalb suche ich den Kontakt mit Jesus. Jesus gibt mir Energie alle zu lieben. Er gibt mir Kraft, mir und anderen zu vergeben. Er gibt mir die Power einer Hoffnung, die über den Tot hinausgeht.

Auch der Heilige Franziskus hat den Kraftort Jesus gesucht. Für ihn war Jesus der Platz wo er Gott selber finden konnte, den Gott, der ihn persönlich liebte, der ihm Energie der Liebe schenken konnte. Deshalb hat Franziskus den Kontakt zum Gekreuzigten gesucht. „Höchster, glorreicher Gott, schenk mir vollendete Liebe“, hat er oft zu Jesus gebetet (GebKr).

So will auch ich intensiv den Kraftort Jesu aufsuchen, wenn ich bete, wenn ich Jesus finde beim Betrachten der Heiligen Schrift, bei der Feier der Heiligen Messe, bei der Beichte und bei meinem Dienst an den Menschen.

Denn Jesus ist d er Ort der Kraft schlecht hin, der Tempel Gottes, wie er  selbst sagt: „Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten“ (vgl. Joh 2,19-22).