Misere Migration

 

Im Februar 2017 war Bruder Rene drei Wochen in Uganda um dort das Missionswerk der Tirolerin Maria Prean „Vision for Afrika“ kennenzulernen. Die Missionarin hat nach dem Eintritt in den Ruhestand den Ruf Gottes vernommen, in Afrika ein Hilfswerk zu beginnen. Innerhalb von etwa zehn Jahren hat sie ein Entwicklungshilfeprojekt mit 600 Mitarbeitenden aufgebaut, das bereits  etwa 12.000 Kindern den Zugang zur Schulbildung ermöglicht hat (www.visionforafrica-intl.org/)  

Interview (s.u.) Video, Audio

 

Br. Rene berichtet: „Die Tage in Afrika waren für mich sehr beeindruckend. Zum ersten Mal konnte ich die Situation der Menschen vor Ort kennen lernen. Obwohl Uganda eines der best entwickeltsten Länder Afrikas ist, sah ich dort viel Armut. Uganda ist einer der Staaten mit der höchsten Korruptionsrate. Aufgefallen ist mir die britische Prägung des Landes, die aus der Kolonialzeit stammt. So zum Beispiel sprechen sehr viele Englisch und die Autos fahren auf der linken Straßenseite. Einheimische Priester berichteten mir, dass es in ihrem Land viele Belastungen durch Zauber- und Hexenkult gibt. Offensichtlich gibt es auch viele Waisenkinder – vor allem Aids-Waisen – und zerrüttete Familien. Mir ist aufgefallen, dass es trotz dieser erschwerenden Umstände sehr viele freundliche und fröhliche Menschen gibt. Zwei Wochen lang konnte ich die verschiedenen Einrichtung von „Vision for Afrika“ (www.visionforafrica-intl.org) in Kiyunga (Bezirk Mukono) kennen lernen: Krankenhaus, Waisenhaus, Schulen, Berufsschulen, Werkstätten und das Hotel Dorf. Drei Tage lang konnte ich mit Maria Prean zum „Vision for Afrika Prayer Mountain“ (www.prayermountain.visionforafrica-intl.org ) fahren. Der Berg liegt an einer der bedeutendsten Nilquellen – dort wo der Viktoria See in den Nil mündet. Der „Prayer Mountain“ ist als höchster Berg an der Nilquelle seit Jahrhunderten ein Ritualort gewesen. Zauberer brachten dort ihre Opfer dar. Nur sie durften den Berg betreten. Niemand von der normalen Bevölkerung wagte dem Berg nahe zu kommen. Maria Prean hat diesen Berg gekauft und zu einem christlichen Besinnungszentrum gemacht. Am Fuße des Berges hat sie Schulen erbaut. Sie führt die Schulen mit ihren Mitarbeitern. Unter anderem gibt es dort eine Blindenschule.
Obwohl die Menschen in Uganda auch zum Teil belastet sind durch Geisterglaube und Zauberkult, durch zerrüttete Familien – oft wachsen Kinder Vater-los und als Waisen auf – habe ich dort viele freundliche und fröhliche Menschen getroffen. Eine Woche lang habe ich mich bei Freunden von Maria Prean aufgehalten im Katholisch Charismatischen Evangelisierungszentrum von Uganda „Emmaus Center“ Katikamu (www.emmaus-uganda.ch/). Dort konnte ich ihre verschiedenen Werke der Jüngerschaftsschulung und Grundausbildung von Kindergarten bis Highschool kennenlernen. Ich hatte auch Kontakt mit Afrikanern im benachbarten Dorf und im Busch. Vom Emmaus-Center sind bedeutende Impulse für Evangelisierungsinitiativen ausgegangen, die sich über Uganda hinaus verbreitet haben. Unter anderem war dieses Zentrum der Ausgangspunkt der Aidsbekämpfungsstrategie ABC in Uganda. ABC steht für Abstain from Sex (Enthaltsamkeit), Be faithful if you do not abstain (Treue), use a Condom if you are not faithful (Kondom). In Uganda hat diese Strategie die Aids-Rate um einige Prozentpunkte gesenkt. Von Uganda aus hat sie ABC in ganz Afrika verbreitet. Das „Emmaus Center“ findet höchste Anerkennung bei der Ostafrikanischen Bischofskonferenz. Besonders gefreut hat mich, dass ich an diesem Ort mit Vertretern der Charismatischen Erneuerung aus ganz Uganda und darüber hinaus vom 17. bis 19. Februar 2017 das 50-Jahr Jubiläum der Charismatischen Erneuerung in der Katholischen Kirche feiern konnte. Die Charismatische Erneuerung in der Katholischen Kirche hat ihren Anfang im Februar 1967 bei einer Studentengruppe der katholischen Duquesne-Universität in Pittsburgh (USA) genommen. Beim Abschlussgottesdienst der 50 Jahre-Feierlichkeiten durfte ich die Festpredigt übernehmen. Wahrscheinlich haben sie mir diese Rolle übergeben, weil Österreicher die Gründung des „Emmaus Centers“ in Katikamu unterstützt haben.

Beeindruckt hat mich, dass in den christlichen Schulen Ugandas eine ausgeprägte Gebetskultur herrscht. Zum Beispiel ist es üblich, den Schultag mit einer 30-Minütigen Gebetszeit zu beginnen. Mir wurde wiederholt gesagt, dass die christlichen Schule, was die pädagogischen Qualitäten betrifft, den staatlichen Schulen – wenn es solche überhaupt gibt – im Großen und Ganzen überlegen sind. Bewegend war für mich auch eine zweitägige Safari im „Murchison Fall Nationalpark“ mit einer Bootsfahrt auf dem Nil. Es war für mich eine Ehre, die anglikanischen und der katholischen Gedenkstätten der afrikanischen Märtyrer Karl Lwanga und Gefährten zu besuchen. Die gesamte Reise hat mir – Gott sei Dank – eine Gönnerin finanziert. Uganda ist für mich nicht nur ein Land voller Natur-Wunder sondern auch vieler wunderbarer Einsatzorte von glaubenden Christen, die sich mit der Kraft Jesu für eine Entwicklung Afrikas einsetzen.

Interview mit Maria Prean (vgl. Video „Misere Migration“):

Am 27. Februar 2017 sprach Bruder Rene mit Maria Prean:

Br. Rene:

Liebe Maria, erst mit 60 Jahren hast du Tirol verlassen, um dein Werk hier in Afrika zu beginnen, warum hast du das gemacht?

Maria:

Eigentlich war das nicht meine Idee. Sondern, so um den 60sten Geburtstag herum haben mehrere Freunde immer wieder gesagt: > Jetzt musst du langsam abdanken und anderen Raum geben<. Ich habe mir gedacht: > Ja, ich habe keine Ahnung, dass ich jemandem einen Raum weg nehme<. Dann habe ich gesagt: >Ja, Herr was willst du<. Dann war ich bei einer ganz gesalbten Konferenz in Amerika und dann habe ich gesagt >Lord shall I retire – Herr soll ich in Pension gehen<. Dann habe ich ganz klar gehört: >No, Maria, refire – Nein, Maria, bekomme neues Feuer<. Dann habe ich gewusst, es ist was Neues für mich da. Kurz danach haben sich dann so viele Ereignisse aneinander gereiht, und ich wusste, Gott will mich in Afrika. Es war für mich das Letzte, wo ich hin wollte. Denn ich habe mich sehr geschämt über die Schulden, die unsere Vorväter hier hinterlassen haben mit Kolonialismus und Sklaverei und auch sonst mit der Einstellung gegenüber Afrika. Dann habe ich gesagt: >Herr, überall hin kannst du mich schicken, zum Nordpol, aber bitte nicht nach Afrika<. Und er hat gesagt: >Ich schicke dich als Segen<. Auf das hin habe ich gesagt: >Ok Herr, als Segen gehe ich<. Ich hatte aber keine Ahnung, was er damit vor hatte. Und ich glaube das war gut, denn wenn er es mir gesagt hätte, dann wäre ich in den Busch nach Australien geflüchtet. Nie hätte ich geahnt, dass Gott mit schwachen Weibern so etwas umsetzen kann. Aber ich habe mir vorgenommen Gottes Werke zu tun. Im Epheserbrief 2,10 steht, dass wir Gottes Werkzeuge sind, um die Werke zu tun, die er jeden Tag vorbereitet hat. Dann habe ich gesagt: >Ok, Herr, ich gehe, aber du musst jetzt alles vorbereiten und mich Schritt für Schritt führen<. Dann habe ich jeden Tag nur gemacht, was er gesagt hat. Und das Ergebnis ist für mich überwältigend. Ich bin genauso schockiert mit Freude und Staunen wie jeder andere über das, was Gott tut, wenn wir uns ihm ganz hingeben. Ich habe gesagt: „Herr, du kannst mit mir machen was du willst, wie du willst, wann du willst, wo du willst. Du kannst mich auch auf Null reduzieren, was er gemacht hat, – damit er alles sein kann. Ich habe nur gesagt: „Herr verherrliche deinen Namen. Setz mich zu Segen und gib mir Freude. Und ich habe die Fülle der Freude, und ich bin wirklich begeistert von meinem Gott für den wirklich nichts unmöglich ist. Und vor allem liebt er die Armen, und er liebt die Witwen, und er liebt die Waisen. Ein Lehrer von uns hat in der Schule vor nicht langer Zeit zu den Schülern gesagt: >Wisst ihr, Kinder, Gott hat die Armen sehr lieb<. Dann hat ein Bub aufgezeigt und gesagt: >Hat er deshalb so viele davon gemacht?<. Das ist die afrikanische Logik. Ich bin selbst total überrascht, dass erst mit 60 meine Berufung richtig durchgebrochen ist, für die ich gebetet habe. Ich habe als junger Mensch gebetet: >Herr, lass mich nie sterben, ohne dass ich weiß wozu du mich auf die Erde gesetzt hast<. Heute weiß ich es. Damals habe ich nur immer Prophetien bekommen, dass ich eine Mutter für die Nationen bin. Habe ich mir schwer vorstellen können – ohne Kinder, weil ich nie ein Kind geboren habe [Maria Prean war verheiratet, ihr Mann ist verstorben]. Aber jetzt nennen mich über 12.000 Kinder >Mama Maria<. Und das macht mich sehr glücklich und ich bin extrem dankbar, dass Gott noch mit 60 mit mir noch einmal durchgestartet ist. Jetzt habe ich dann bald meinen 80er. Und glaube noch lange nicht, dass ich am Ende bin“

Br. Rene:

Wie schauen deine Pläne für die nächste Zukunft aus.

Maria:

Wie gesagt, ich habe nur die Ziele die Gott hat. Was er mir bisher gesagt hat ist, dass ich mit 80 eine Mittelschule für 2000 Kinder einweihen darf. Wir haben jetzt über 1200 Kinder in verschiedensten Mittelschulen in ganz Uganda. Die holen wir jetzt alle zusammen. Dass wir diese Schule auch kombinieren sollen mit einer Ausbildung für Landwirtschaft, weil hier die Meinung besteht, dass jeder der in der Landwirtschaft arbeitet zu blöd ist für irgendetwas anderes. Und diese Meinung wollen wir eliminieren, denn der Herr sagt, wir sollen uns die Erde untertan machen. Und Uganda ist in erster Linie ein einmaliges Land für Landwirtschaft. Dann habe ich noch vom Herrn den Auftrag bekommen, in Karamodja im höchsten Norden bei den Allerärmsten zu helfen, damit die aus ihrer Hungersnot kommen. Da spüre ich eine ganz enorme Salbung von Gott, dass hier Menschen eine ganz neue Denkweise bekommen. Bisher waren sie Nomaden mit vielen Kühen, die sie hunderte Kilometer weiter treiben mussten, damit sie Wasser finden und ein wenig Gras. … Gott hat uns dorthin gesandt und wir sind voller Freude, weil wir wissen, er wird alles dazu geben, was wir brauchen, um dieses Land zum Blühen zu bringen. … Ein Leben mit Gott ist alles eher wie langweilig, wenn er der Chef sein darf, wenn er uns angeben darf, was wir zu tun haben, nicht wir ihm sagen, was er tun soll für uns. Viele Menschen wollen Gott nachfolgen in einer beratenden Haltung. Gott braucht keine Berater, er braucht Diener. Er braucht Menschen, die sagen: „Herr hier bin ich, verwende mich“.

Br. Rene:

Liebe Maria, danke für deine Zeit. Du stärkst mich im Glauben, dass es vor allem Jesus ist, der uns bewegt, damit wir uns mit voller Kraft einsetzen für das Wohl aller Menschen (Mt 5,17).

[Das gesamte Interview unter dem Titel „Misere Migration“ auf YouTube: https://youtu.be/3bWvIPDZ7YE ]