Moschee im Dorf

Ich war bei einem Nachbarschaftsfest in Telfs in Tirol. Die Türkische-Islamische Gemeinschaft hat mich dazu eingeladen. Hier treffen sich Muslime und Christen und Menschen mit anderer Weltanschauung. In Telfs wohnen besonders viele Anhänger des Islamischen Glaubens. Hier gibt es – neben Wien – die einzige Moschee in Österreich mit einem Minarett. Dass bei uns Muslime so einen Ort haben, wo sie ihren Glauben öffentlich ausdrücken können, gefällt mir.

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Manche in unseren westlichen Ländern haben Angst vor Muslimen. Sie verbinden damit Bilder von islamistischem Terror. Mir scheint, bestimmt haben viele Muslime Angst vor Christen, weil sie dabei an Missständen der westlichen Welt denken: wie die sozialen Kälte in viele Großstädten, oder die perversen Bilder in westlichen Medien.

Meine Erfahrung ist, wenn ich selbst Menschen anderer Religionen und Nationen begegne, dann fallen schnell Vorurteile und ich sehe, es sind Menschen wie du und ich. Mir fällt dazu Franziskus von Assisi. Als im 13. Jahrhundert christliche Kämpfer eines Kreuzzuges in Ägypten gegen muslimische Heere kämpften, war Franziskus dabei, aber nicht bewaffnet sondern als Friedenprediger. Er überschritt wehrlos die Fronten und redete mit dem Sultan Meleck el Kamil. So ermutigt mich der Heilige aus Assisi mit allen Menschen auch mit Muslimen Mitmenschen freundlich in Kontakt zu treten.

 

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7. Sonntag der Osterzeit 2013, Homilie, Br. René Dorer

Bibelstellen: Lesungen: Apg 7,55-60;  Ps 97 (96), 1-12; Offb 22,12-14.16-17.20; Joh 17,20-26  (Einheitsübersetzung der Hl. Schrift, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart)

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Ich war bei einem Nachbarschaftsfest in Telfs in Tirol. Die Türkische-Islamische Gemeinschaft hat mich dazu eingeladen. Hier treffen sich Muslime und Christen und Menschen mit anderer Weltanschauung. In Telfs wohnen besonders viele Anhänger des Islamischen Glaubens. Hier gibt es – neben Wien – die einzige Moschee in Österreich mit einem Minarett.

Das bei uns Muslime so einen Ort haben, wo sie ihren Glauben öffentlich ausdrücken können gefällt mir.

Manche in unseren westlichen Ländern haben Angst vor Muslimen, weil sie damit Bilder von islamistischem Terror verbinden. Ich denke, bestimmt haben viele Muslime Angst vor Christen, weil sie diese mit Missständen der westlichen Welt verbinden: wie gesellschaftliche Kälte in Großstätten oder die vielen Perversionen, die in westlichen Medien präsentiert werden.

Meine Erfahrung ist, wenn ich selbst Menschen anderer Religionen und Nationen begegne, dann fallen schnell Vorurteile und ich sehe, es sind Menschen wie du und ich. Ich möchte freundlich auf Erdenbewohner anderer Religionen und Weltanschauungen zugehen.

Basis dafür ist mein Glaube an einen Gott, der mir freundlich begegnen will. Er ist so gut zu mir, dass ich mich über ihn sogar freuen kann und soll. Eine ähnliche Erfahrung haben, meines Erachtens, auch die Verfasser des Psalm 97 gemacht. Dort heißt es: „Ihr Gerechten freut euch am Herrn“ (Ps 97,12a).

Dass Gott so ein Gott ist, macht mir Jesus klar. Er kennt Gott aus eigener Erfahrung und er nennt ihn Vater. Er weiß sich von diesem Gott geliebt, noch bevor irgendetwas von unserem Kosmos existiert hat. Das machen mir die Worte Jesu im Johannesevangelium deutlich: „Vater, du hast mich schon geliebt vor der Erschaffung der Welt“ (vgl. Joh 17,24). Ich denke, diese Erfahrung von göttlichem Angenommen-Sein drängt Jesus, sich allen Menschen liebevoll zuzuwenden. Es geht ihm um noch mehr, er will, dass die Liebe die er erfährt und weiter gibt, auch unter den Erdenbewohnern praktiziert wird. Er will das alle miteinander gut umgehen. Ich denke Jesus drückt genau das in seinem Gebet aus: „Vater, ich will, dass alle eins sind“.

Doch mir scheint Jesus ist klar, dass das nicht aus heiterem Himmel geschehen kann sondern nur, wenn die Menschen den Himmel selbst erleben, das heißt, wenn sie Gott, den Vater, selbst erfahren. Das steckt für mich dahinter, wenn er betet: „Vater, ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin“ (vgl. Joh 17,26). Jesus will uns den Namen Gottes mitteilen. Das heißt, er will uns vermitteln, wer Gott ist, und viel mehr: wie Gott fühlt und denkt. Jesus fasst das Verhalten Gottes in das Wort „Liebe“. Er möchte, dass wir Gott so erleben, wie er ihn erfährt, das drückt er meines Erachtens mit den Worten aus: „Damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin“ (vgl. Joh 17,26). Diese Worte Jesus ermutigen mich zum Glauben: Jesus, du hilfst mir, die Liebe Gottes zu erleben.

Dass solche Erfahrungen möglich sind, zeigen mir die Ersten Christen, die zum Teil für den Glauben an Jesus sich auch töten lassen haben. Wie sehr der Glaube an Jesus uns mit göttlicher Liebe erfüllen kann macht mir der Heilige Stephanus deutlich. Als er wegen seines Glaubens zu Tode gesteinigt wird, äußert er seine Liebe zu denen, die ihn töten. Bevor er stirbt betet er noch für seine Feinde, indem er schreit: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (vgl. Apg 7,60).

Ich glaube, dass auch ich etwas von dieser Liebe in mir haben kann, wenn ich den Kontakt mit Jesus suche. Denn ich bin überzeugt, Jesus führt mich zu der Erfahrung, dass Gott, der Vater auch mir wohlwollend zugewandt ist. Diese Erfahrung, angenommen zu sein, gibt mir Jesus auch in dem er mir den Heiligen Geist sendet. Denn der Heilige Geist, ist die Liebe Gottes selbst. In diesen Tag auf Pfingsten zu beten wir Christen besonders um diese kraftvolle Erfahrung von Liebeskraft, die der Heilige Geist ermöglicht.

Wenn ich mir auf diese Weise von Jesus helfen lassen, kann ich immer mehr an Kraft der Verbundenheit weiter geben. Dann kann ich mich zunehmend einsetzen für das Miteinander unter den Christen und unter allen Menschen.

Das hat auch der Heilige Franziskus getan. Er war erfüllt vom Geist Jesu, von der Erfahrung geliebt zu sein von Gott, dem Vater. Deshalb hat er mitten im Kampf zwischen christlichen Kreuzrittern und muslimischen Kämpfern die Kampfgrenzen durchschritten und das Gespräch mit dem muslimischen Machthaber Sultan Melek el Kamil gesucht.

Ich wünsche uns allen, dass wir gerade im Glauben an Jesus erleben können, Gott ist ein Gott, der mich und alle liebt, deshalb muss es mir ein Anliegen sein, das Miteinander mit allen zu suchen, auch mit den Muslimen, was Jesus für mich so ausdrückt: Vater ich will, dass sie alle eins sind.