reich und freigebig

Je wohlhabender die Leute sind, desto unfairer und gieriger verhalten sie sich. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie an der Universität Kalifornien in Berkeley. Die Wissenschaftler beobachteten zum Beispiel bei Zebrastreifen, dass die Autofahrer mit den besten Autos am wenigsten auf die Fußgänger Rücksicht nahmen.

Doch ich bin überzeugt, es gibt auch reiche Leute, die sich um andere kümmern. Mir fällt dazu auch ein Superreicher ein. Es ist Jesus von Nazareth. Er lebt mit einem immensen Vermögen. Er erhält von Gott, den er Vater nennt, Milliarden Zeichen der Zuwendung. Sein Reichtum ist es – geliebt zu sein. Er geht großzügig mit diesem Kapital um. Er gibt dieses Vermögen, die Liebe, weiter. Bei seinem letzten Abendmahl macht er das deutlich, in dem er den Jüngern die Füße wäscht (vgl. Joh 13,1-15).

Von Jesus will ich lernen, mich von Gott lieben zu lassen und den Reichtum dieser Liebe weiter zu geben. Denn Jesus sagt: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh 13,15).

Lesejahr B, Gründonnerstag, Homilie, Br. René Dorer

Bibelstellen: Lesung: Ex 12:1-8.11-14; Ps 116 (115), 12-18; 1 Kor 11:23-26; Joh 13:1-15

Je wohlhabender die Leute sind, desto unfairer und gieriger verhalten sie sich. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Psychologen Paul Piff und seiner Kollegen. Sie arbeiten an der Universität Kalifornien in Berkeley. Die Wissenschaftler beobachteten zum Beispiel bei Zebrastreifen, dass die Autofahrer mit den besten Autos am wenigsten auf die Fußgänger Rücksicht nahmen. Dieses Ergebnis finde ich interessant. Doch ich bin überzeugt, es gibt auch solche reiche Leute, die ihr Vermögen für das Wohl anderer einsetzen.

Ich denke da auch an eine ganz reiche Persönlichkeit. Alles war in seinem Besitz. „Jesus, wusste dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte“ (vgl. Joh 13,3), berichtet der Evangelist Johannes. Alles hatte Jesus in seiner Hand. Er wusste, dass er unendlich reich ist. Für mich besteht der Reichtum Jesu nicht zuerst in materiellem Besitz: Ich glaube, dass Jesus alles hatte, weil er die Grundlage des Kosmos ist. Durch ihn ist alles geworden. Der ganze Kosmos liegt in seiner Hand. Er will es wohl nicht, aber wenn er wollte, könnte er alle Galaxien und Universen ins Nichts fallen lassen. Jesus hat die Macht über alles Geschaffene, über Menschen und alle geistigen Wesen, die Engel. Er ist allmächtig. Also unendlich reich. Für mich besteht der wichtigste Reichtum, den Jesus hat in der Liebe. Er weiß sich geliebt von Gott, den er Vater nennt. Dass dieser Gott ihn liebt hat Jesus als Jude von klein auf gelernt. In den Gebeten seines Volkes, in den Gottesdiensten wurde dieser Glaube vermittelt. Jedes Jahr beim Paschafest feierten die Juden, dass Gott einst das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit hatte (vgl. Ex 12,1-8.11-14). So konnte Jesus als Mensch im Glauben stark werden: Gott ist gut zu den Menschen. Er will ihr Bestes, die Freiheit, die Entfaltung.

Dieses Vertrauen, lernte Jesus auch beim Beten der Psalmen. In einem Psalm singt der Gläubige: „Der Herr hat mir Gutes getan hat. Wie kann ich dem Herrn all das vergelten“ (Ps 116(115),12). Mit dem Beten der Psalmen konnte Jesus immer tiefer erkennen: Gott ist gut zu mir. Das muss ich ihm vergelten, zurückerstatten. Ich glaube, dass Jesus wie kein anderer das erlebt hat: Gott, mein Vater, liebt mich. Er ist gut zu mir. Er gibt mir alles. Das ist seine Liebe, das ist mein Reichtum. Diese Vermögen hat Jesus nicht für sich behalten. Er hat die Erfahrung des Geliebseins weiter gegeben.

Jesus zeigt, wie sehr er nur Liebe sein will in einer Zeichenhandlung. Beim letzten Mahl vor seinem Tod beginnt Jesus, den Jüngern die Füße zu waschen. Er tut einen Sklavendienst, er kniet sich zu seinen Jüngern hin und bedient sie, indem er ihren Schmutz abwäscht. Petrus ist total überrascht, dass Jesus sich so erniedrigt und so was tut. Es war absolut ungewöhnlich, dass ihr Meister etwas tut, was sonst nur die schäbigsten Zwangsarbeiter, die Sklaven, machen.

„Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe (Joh 13,15)“, sagt Jesus den Jüngern.

Jesus ist für mich ein Beispiel, weil er im Bewusstsein lebt: „Der Vater hat mir alles übergeben“. Auch ich möchte mir immer mehr bewusst werden, wie reich ich bin. Ich bin zwar nicht wie Jesus der Herr des Universums, aber ich kann ähnlich wie Jesus erleben: Gott gibt mir ein Vermögen. Denn er meint es unendlich gut mit mir. Gott wendet sich mir liebevoll zu.

Weil ich das erleben kann, möchte ich wie Jesus auch die Liebe weiter geben, indem ich anderen die Füße waschen. Das heißt für mich, ich möchte für andere da sein, ihnen meine Zeit schenken. Dann muss ich halt mal helfen, wenn es eine Verstopfung auf der Gemeinschafts-Toilette gibt und die Arbeit nicht an andere abschieben. Dabei brauche ich keine Angst zu haben, dass ich mich deshalb verliere. Denn ich weiß mich aufgehoben, bei Gott, der mir alles gib: Leben, Liebe, Ewigkeit.

Jesus ist für mich Vorbild dafür, dass auch ich aus der Erfahrung lebe, dass ich von Gott geliebt bin. Dass ich diese Liebe auch weiter gebe. Jesus hilft mir dabei, indem er sich mit mir verbindet. Deshalb hat er mir und uns das Heilige Mahl überlassen. Heute am Gründonnerstag gedenken wir des ersten Abendmahles Jesu mit seinen Jüngern. „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (vgl. 1 Kor 11,24), hat Jesus den Aposteln als Auftrag geben. Seit dem feiert die Kirche durch alle Jahrhunderte das letzte Abendmahl in der Heiligen Messe, oder Eucharistiefeier, wie wir diesen Ritus nennen. In dieser Feier kann ich Jesus in mich aufnehmen, wenn ich das Heilige Brot esse, von dem er gesagt hat: „Das ist mein Leib“. Wenn ich die Kommunion empfange kommt Jesus in mein Innerstes. Jesus kommt zu mir, er bringt mir die Erfahrung die er gemacht hat: Der Vater im Himmel legt mir alles in seine Hände, seine Liebe. So kann ich von Jesus immer mehr lernen, mich von Gott lieben zu lassen und diese Liebe weiter zu geben. Deshalb will ich immer wieder an der Heiligen Messe teilnehmen, denn diese Feier bringt mich in Kontakt mit Jesus.

Ich denke da auch an die Heilige Klara von Assisi. Ihr zentrales Interesse war es, die Heilige Eucharistie zu feiern. Daraus und aus ihrem Gebet hat sie viel Kraft geschöpft, dass sie ihren Mitschwestern im Haus liebe zugewandt war. Klara hat ihren Schwestern auch als Zeichen ihrer Liebe die Füße gewaschen. Als sich einmal eine Schwester dagegen wehrte trat sie versehentlich sogar Klara in das Gesicht.

Ich glaube, dass Gott mir auch den großen Reichtum seine Liebe schenkt. Mit Jesus lerne ich das immer mehr zu erleben. Mit Jesus möchte ich diese Liebe auch weiter geben, an die Menschen, die meine Hilfe brauchen. Denn Jesus sagt: Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe (Joh 13,15).