sanfte Revolution

„Wir wollen Mubarak stürzen. Es ist ein korruptes Regime. Wir wollen Demokratie. Ganz Ägypten ist auf den Beinen, Leute aus allen Schichten und Religionen. Aber wir demonstrieren in Frieden“, kommentiert ein ägyptischer Demonstrant in diesen Tagen Ende Jänner 2011. (Quelle: English Podcast Vatican Radio, „Egyptians defy curfew protests enter third day”, 29. Jän 2011).

Zum Großteil wollen die Demonstranten ohne Gewalt vorgehen.

Nicht mit Selbstmordattentaten suchen sie Veränderung der Situation, sondern mit dem Druck der Straße.

Im gewaltlosen Widerstand,

der auf die Vernunft und die Einsicht des Menschen baut,

liegt ein Erfolg versprechendes Potential.

„Selig, die keine Gewalt anwenden“, sagt Jesus,

„denn sie werden das Land erben“(Mt 5,5).

„Glücklich die Sanftmütigen.“

Jesus kannte gewiss das jüdische Glaubenslied,

in dem gesungen wird:

Wohl dem, dessen Halt der Gott Jakobs ist (Ps 146(145),5).

Der Mensch der erlebt:

Ich finde Halt bei Gott.

Der findet Geborgenheit

und Halt in der Liebe.

Denn Gott ist die Liebe.

Bei Jesus lernen wir,

mit ihm in Gott Halt zu finden,

und so gewaltlos, sanftmütig zu handeln.

Angela Merici, eine Bauerstochter vom Gardasee,

suchte die Gemeinschaft mit Christus.

Vorbild waren für sie die Heiligen Franz und Klara von Assisi.

Bewegt durch ihren Glauben kümmerte sich Angela im 16 Jahrhundert um Mädchen aus den untersten Gesellschaftsschichten.

Sie gründete eine Gemeinschaft,

die sich um eine gute Ausbildung der Mädchen kümmerte.

Die Heilige Angela schreibt an ihre Mitarbeiterinnen:

Ich bitte euch sehr, bemüht euch, eure Mädchen mit Liebe an euch zu ziehen. Führt sie mit sanfter, milder Hand, nicht gebieterisch oder mit Härte.“

Mit sanfter und milder Hand,

sollen sie die Mädchen erziehen.

Jesus hilft uns,

dass wir in Gott unseren Halt finden,

in der Liebe.

Das macht uns zu Menschen,

die liebevoll, sanft

aber mutig und konsequent für zur Entwicklung eines menschenwürdigen Lebensraumes beitragen.

Den Elan dazu gibt uns Jesus,

der sagt:

Selig die keine Gewalt anwenden.

Glücklich die Sanftmütigen. (Mt 5,5)

Mehr (ausführlichere Variante)

„Wir wollen Mubarak stürzen. Es ist ein korruptes Regime. Wir wollen Demokratie. Ganz Ägypten ist auf den Beinen, Leute aus allen Schichten und Religionen. Aber wir demonstrieren in Frieden“, kommentiert ein ägyptischer Demonstrant in diesen Tagen Ende Jänner 2011. (Quelle: English Podcast Vatican Radio, „Egyptians defy curfew protests enter third day”, 29. Jän 2011).

Zum Großteil wollen die Demonstranten ohne Gewalt vorgehen.

Nicht mit Selbstmordattentaten suchen sie Veränderung der Situation, sondern mit dem Druck der Straße.

Die Geschichte hat bewiesen:

Friedliche Revolutionen,

die vom Volk ausgegangen sind,

konnten viel verändern.

Das gilt für den Widerstand Gandhis,

der mit seinen Anhängern erfolgreich gegen die britische Kolonialherrschaft demonstriert hat.

Auch Lech Valensa zeigte mit seiner friedlichen Solidarnosc Bewegung, welchen Erfolg gewaltloser Widerstand einbringen kann.

Im gewaltlosen Widerstand,

der auf die Vernunft und die Einsicht des Menschen baut,

liegt ein Erfolg versprechendes Potential.

Wer keine Gewalt anwendet,

der hat Erfolg,

der ist glücklich zu schätzen,

so ähnlich drückt es Jesus in den Seligpreisungen aus.

Selig, die keine Gewalt anwenden, sagt er,

denn sie werden das Land erben. (Mt 5,5)

Hier eine noch bessere Übersetzung der griechischen Urfassung dieser Worte im Matthäusevangelium:

„Selig die Sanftmütigen,

glücklich die Sanftmütigen.“

Diese Worte sagt Jesus als gläubiger Jude.

Er meditierte die Heiligen Schriften Israels.

Er sang gewiss auch den Psalm in dem es heißt:

Wohl dem, dessen Halt der Gott Jakobs ist. (Ps 146(145),5)

Glücklich der Mensch,

der seinen Halt findet bei Gott.

Hier rühren wir an das wahre Fundament von Gewaltlosigkeit.

Der Mensch der erlebt:

Ich finde Halt bei Gott.

Dieser Mensch lebt gelassener.

Wenn du weißt:

ich bin aufgehoben bei Gott.

Gott ist mein Fundament.

Dann brauchst du nicht mehr mit Zwang und Gewalt dir selber deine heile Welt bauen.

Wenn du deinen Halt in Gott findest,

dann findest du Halt in der Liebe.

Denn Gott ist die Liebe,

Gott ist die Kraft der Liebe.

Wer in Gott seinen Halt hat,

der kann nicht anders als lieben,

gewaltlos, sanft handeln.

Das heißt jedoch nicht sich alles gefallen lassen,

sondern im Gegenteil,

aus der Kraft der Liebe handeln,

das heißt in Wahrheit, mutig Gerechtigkeit in dieser Welt anstreben.

Fundament dieses Daseins ist der Halt in Gott,

das Vertrauen auf Gott.

Diese Lebenshaltung sollte das Volk Israel auszeichnen.

Deshalb verkündet Zefania ein Idealbild für das wahre Gottesvolk.

Er spricht vom idealen Gottes-Volk,

das seine Zuflucht sucht beim Namen des Herrn,

das heißt bei Gott selbst. (Zef 3,12)

Jesus lebt dieses Halthaben in Gott ganz.

Deshalb weiß er:

Ich bin aufgehoben bei Gott,

mir kann letztlich niemand was antun,

sogar, wenn mir Menschen das Leben nehmen,

dann bin ich bei Gott aufgehoben.

Jesus wusste ich habe Halt in der Kraft Gottes.

Gott begleitet mein Tun mit seiner Kraft.

Deshalb lebte Jesus auch mit einer großen Gelassenheit.

Er war gewaltlos, er war sanft in seinem Tun.

Weil Gott allein sein Halt war,

lehnt Jesus alles ab,

was Böse war,

er verabscheute die Lüge und alles was dem Menschen schadet,

er kämpfte gegen eine Kultur der Gewalt und des Todes.

Das hat ihm Glück gebracht.

Am Ende war er der Sieger.

Als er von den Toten auferstand,

sind für ihn die Worte wahr geworden:

Glücklich die sanftmütigen.

Bei Jesus lernen wir,

mit ihm in Gott Halt zu finden,

und so gewaltlos, sanftmütig zu handeln.

Was wir bei Jesus lernen,

das wird in unserem Alltag Gestalt annehmen.

Dann wenn wir mit anderen sanft aber ehrlich, selbstbewuss.

Dann wenn wir Leitungsfunktionen im Geist des Dienstes an den anderen, im Geist des Miteinanders praktizieren.

Die Heiligen haben uns gezeigt,

dass der Glaube an Jesus,

die Menschen zu sanftmütigen Wesen verwandelt.

Angela Merici, eine Bauerstochter vom Gardasee,

suchte die Gemeinschaft mit Christus.

Vorbild waren für sie die Heiligen Franz und Klara von Assisi.

Bewegt durch ihren Glauben kümmerte sich Angela im 16 Jahrhundert um Mädchen aus den untersten Gesellschaftsschichten.

Um dieses Ziel zu erreichen, gründete sie die Gemeinschaft der Ursulinen.

Angela schreibt an ihre Mitarbeiterinnen:

Ich bitte euch sehr, bemüht euch, eure Mädchen mit Liebe an euch zu ziehen. Führt sie mit sanfter, milder Hand, nicht gebieterisch oder mit Härte.“

Mit sanfter und milder Hand,

sollen sie die Mädchen erziehen.

Mit sanfter und milder Hand können wir Menschen und die Gesellschaft zur Entwicklung begleiten.

Bitten wir Jesus,

dass er uns verändert.

Damit wir Halt finden in Gott,

dass wir sanft miteinander um gehen,

im täglichen Miteinander,

in der Familie,

im Beruf,

in der Gesellschaft.

Das wird unser Glück sein,

wie Jesus betont:

„Selig die keine Gewalt anwenden,

glücklich die Sanftmütigen.“ (Mt 5,5)

Lesejahr A, 3. Sonntag im Jahreskreis  2011, Homilie, Br. Rene Dorer, Lienz

Bibelstellen: Zef 2,3; 3,12-13; Ps 146 (145), 5-10; 1 Kor 1, 26-31;  Mt 5,1-12a

Interview: English Podcast Vatican Radio, „Egyptians defy curfew protests enter third day”, Jan. 29th 2011