Stefan nur 24

Stefan nur 24 Wenn es uns gut geht, vergessen wir oft, dass der Tod unsere ständigen Begleiter ist. Der Tod hat Stefan Waldhart schon mit 24 Jahren das Leben genommen. Ich war an seinem Grab. Dabei war seine Mutter Kathrin Ich drückte ihr meine Mitgefühl aus und sie hat gesagt, wie sie die letzten Tage von Stefan erlebt hat:

Am Sonntag habe ich den 8. Muttertag ohne meinen Stefan erlebt. Trotzdem bin ich nicht nur traurig sondern getröstet durch das wunderbare Zeugnis, welches Stefan für uns alle hinterlassen hat.  Video, Audio

Er durfte am letzten Tag seines Lebens Gott und das Himmelreich schauen.  Er hatte eine schwere Erkrankung. Ein Nasenschleimhauttumors der ihm schon golfballgroß ins Gehirn gewachsen war. Innerhalb von nur vier Monaten verlor er den Geruchsinn, dann seinen Geschmacksinn, war auf dem linken Auge ganz blind und man sagte ihm, dass er auch das rechte Augenlicht noch verlieren wird. Er wurde 3 mal operiert und war zuletzt im Einzelzimmer in der HNO-Klinik in Innsbruck. Um vier Uhr in der Früh lag er mit offenen Augen im Bett und schrie ganz laut:“ Bitte, bitte lieber Gott, lass mich noch einmal zurück, ich muss ihnen das alles sagen.“ Daraufhin kam Schwester Jeanette ins Zimmer und beruhigte ihn. Er sagte zu ihr: „Schwester Jeanette ich glaube ich bin jetzt gestorben“ .“Nein Stefan du sprichst ja mit mir“.

„Jeanette ich habe den lieben Gott und das Himmelreich gesehen, glaubst du mir das?“ Sie antwortete: „Ja Stefan ich glaube dir, denn du hast mich noch nie angelogen, schon gar nicht, wenn es um etwas so Wichtiges geht.“ Dann sagte er:“ Streitet nicht so viel, das Leben ist zu kurz zum Streiten. Denkt nicht so materiell, sondern richtet euch nach dem was im Himmel ist. Er hatte einen tiefen Glauben und seine einzige Frage an Gott lautete: Wie gehe ich mit der Situation um? Er suchte immer eine Lösung. Er fragte nie warum, denn auf ein Warum gibt es keine Antwort. Gott allein weiß warum. Er betete viel und er nannte es sprechen mit Gott seinem himmlischen Vater. Denn nur im Gebet bekam er die Kraft seine Schmerzen auszuhalten und so diesen Weg, den Gott für ihn bestimmt hatte bis zum Ende zu gehen. Er hat sich mit allen ausgesöhnt und so einen tiefen inneren Frieden erlebt. Gott lässt uns nie allein, ich weiß das, denn in meinen schwersten Stunden habe ich nur eine Spur gesehen, da hat mich der Herr getragen. Danke Stefan für deinen tiefen Glauben und für alles, was du für uns getan hast. Ich weiß, dass du für uns alle ein großer Fürbitter sein willst. Mögen noch viele Leute durch dein Zeugnis zum Glauben an Gott finden. Danke sagt deine Mama.

Kontakt: Kathrin Krismer, 6410 Telfs, krimse[at]telfs.com

Worte zum 5. Sonntag in der Osterzeit 2014 (Lesejahr A), Br. René Dorer ofm

Bibelstellen: Joh 14,1-12

Hier noch eine ausführlichere Variante von Kathrins Bericht:

Am 23. April 2006, also genau vor 8 Jahren ist unser Stefan im Alter von 24 Jahren in der HNO Klinik in Ibk an einem Nasentumor verstorben. Deshalb hatten wir am Ostermontag eine Hl. Messe für unseren Stefan zum 8. Jahrtag in der Klosterkirche Telfs. Danach ging ich in die Sakristei und brachte das Kliniktagebuch mit.

Dort erzählte ich zum ersten Mal Br. Rene von Stefans Krankheit und von seinem Zeugnis. Stefan durfte um vier Uhr in der Früh am letzten Tag seines Lebens Gott und das Himmelreich sehen. Er lag in einem Einzelzimmer. Er schrie laut mit geballten Fäusten und offenen Augen: „Bitte, bitte lieber Gott lass mich noch einmal zurück, ich muss ihnen das alles erzählen. Als die Schwester Jeanette Stefan laut reden hörte, eilte sie sofort in sein Zimmer und beruhige ihn. Er sagte: Schwester Jeanette ich glaube ich bin jetzt gestorben.“ „Nein Stefan du lebst du sprichst ja mit mir“, sagte sie.“ Schwester Jeanette ich habe den lieben Gott und das Himmelreich gesehen, glaubst du mir das?“ Sie antwortete: „Ja Stefan ich glaube dir,

denn du hast mich noch nie angelogen und schon gar nicht wenn es um etwas so Wichtiges geht.“ Gleich darauf piepste sie den Arzt aus, damit er Stefan genau untersuchen soll und er bestätigte, dass Stefan keinen epileptischen Anfall hat, sondern dass er klar bei Verstand ist. Er könnte ihm etwas zur Beruhigung geben, doch das wollte die Schwester nicht, denn sie wusste, wie ungern Stefan Medikamente einnahm, nur wenn es unbedingt notwendig war.

Stefans Krankheit kam so plötzlich und dauerte nur vier Monate. Seine Nase verlor den Geruchsinn, dann sein Gaumen den Geschmacksinn, am linken Auge wurde er blind und hätte auch das zweite Augenlicht bald verloren und er brauchte ein Korsett, weil seine Rippen zerbrachen. All dies hatte der Tumor schon zerstört und dennoch hat er immer noch positiv gedacht. Er wollte auf dem zweiten Bildungsweg Religionslehrer werden und besuchte daher die Pädak in Stams. Seine schwere Erkrankung hatte zur Folge, dass Stefan alles, was ihm einst so wichtig war – wieder aufgeben musste. Er löste seine Wohnung auf und zog wieder nach Hause in sein ehemaliges Zimmer.

Er durfte nicht mehr mit seinem Auto fahren, weil er auf einem Auge blind war. Er konnte nicht mehr lange am Computer arbeiten, weil es ihn zu sehr anstrengte. Dann sagte er einmal zu mir: „Mama, wenn ich nicht mehr Lehrer werden kann, weil ich blind werde, dann werde ich halt weiterhin Masseur bleiben und bekomme bestimmt ein ganz gutes Gefühl dafür, weil wenn man den Sehsinn verliert, verstärkt sich der Tastsinn und meine Hände können noch sensibler berühren.

Er fragte nie „Warum? Dann darauf bekommt man keine Antwort, sondern er fragte sich immer: WIE gehe ich damit um? In der Fragestellung „wie“ bekommt man immer eine andere Sichtweise die eine Lösung in sich birgt. Er hatte immer starke Schmerzen und war trotzdem zu allen sehr freundlich und nett und ich glaube, wir haben gar nicht wahrgenommen, wie krank er wirklich war, weil er so positiv war und nicht wir ihn sondern er uns alle immer aufgemuntert hat. Stefan sagte einmal zu mir:“ Mama, ich habe in den 24 Jahren nicht so viel gelernt, wie in den letzten vier Monaten meines Lebens.

Ich bete sehr viel und rede viel mit Gott (er nannte ihn liebevoll Himmeldata), was will Gott noch alles von mir? Ich opferte ihm schon meinen Geruchsinn, meinen Geschmacksinn, mein Augenlicht, wahrscheinlich werde ich querschnittgelähmt. Was will Gott noch von mir? Doch Gott verlangte alles von Stefan – zuletzt sogar sein Leben!

Immer wenn er das Vater unser betete und sagte dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden, dann baten wir Gott und gib uns die Kraft dazu deinen Willen anzunehmen und die Kraft das alles durchzuhalten bis zuletzt. Stefan hatte oft so starke Schmerzen, dass er nicht wusste, ob er dies alles noch lange ertragen kann. Einmal sagte er zu mir: „Mama, ich glaube die Menschen die Gott sehr liebt,

die prüft er ganz besonders. Vielleicht dürfen die Starken für andere die nicht so stark sind mittragen. So gesehen ist all das Leid, das man in Liebe erträgt etwas, was Gott verwandeln kann, bzw. zum Guten

führen kann. Stefan hat so viel Versöhnung in unsere Familie gebracht

er hat einen tiefen Frieden erlebt. Stefan hat in den letzten Monaten seines kurzen Lebens so gelebt, wie Gott es von ihm verlangt hat. Er hat seine Krankheit tapfer ertragen ohne große Hoffnung auf Heilung. Nur ein Wunder hätte ihm helfen können. Er wusste, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, sondern dass ein ewiges und schöneres Leben bei Gott beginnt. Seine Beerdigung war wie ein Auferstehungsfest mit vielen jungen Menschen, 6 Geistlichen und Schwester Jeanette hat sein Zeugnis, dass er Gott und das Himmelreich gesehen hat vorgelesen. Er sagte: Dort wo ich nun hingehe, geht es mir gut,

aber ich will dass es euch hier auch gut geht. Weint, aber danach vergesst nicht wieder zu lächeln, denkt positiv, bleibt optimistisch und gebraucht euren Hausverstand. Fürchtet euch nicht – Gott lässt uns nie allein – ich weiß das, denn in meinen schwersten Stunden habe ich nur eine Spur gesehen, da hat mich mein Herr getragen.