Wie ausgewechselt

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„Meine Tochter ist wie ausgewechselt“, sagt mir eine Mutter vor einigen Tagen. Ihre 20-jährige Alexandra hat vor einigen Monaten an einem Glaubensseminar teilgenommen. Dort hat sie gelernt den christlichen Glauben intensiver zu praktizieren. „Seit diesem Seminar zeigt sich Alexandra immer wieder mit einer Freude, wie ich sie vorher nie bei ihr sah“, meint die Mutter.  Video, Audio , Audio (mehr),

Mich wundert es nicht, dass Alexandra sich durch ein Glaubensseminar so zum Positiven verändert hat. Denn ich weiß aus vielfacher Erfahrung: Wer den christlichen Glauben findet, der kann spüren: Gott ist real, er ist ein Du das mich liebt, das gibt mir Geborgenheit. So etwas zu erleben, kann zu einer Lebenswende führen, zu einer Befreiung aus einem Gefängnis von verschiedensten Ängsten. Zum Beispiel auch der Angst, dass ich niemand finde, der mich wirklich liebt. Wenn ich diese Angst los bin, dann kann ich mich leichter und tiefer freuen. Eine Freude, die wohl auch Alexandra jetzt ein Stück gefunden hat. eine Lebenswende wie sie für mich der Psalm 126 ausdrückt: „Als der Herr das Los unserer Gefangenschaft wendete, …da war unser Mund voll Lachen“ (vgl. Ps 126,1-2).

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Lesejahr C, 5. Sonntag in der Quadragesima, Homilie, Br. René Dorer

Bibelstellen: Jes 43, 16-21; Ps 126 (125), 1-6; Phil 3,8-14; Joh 8,1-11 (Einheitsübersetzung der Hl. Schrift, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart)

weitere Literatur:

Thomas von Celano, 2. Lebensbeschreibung des Hl. Franziskus (=2 C),  hier: 2 C 217,9,  in: Dieter Berg, Leonhard Lehmann (Hg.), Franziskusquellen, Die Schriften des heiligen Franziskus, Lebensbeschreibungen, Chroniken und Zeugnisse über ihn und seine Orden, Kevelaer 2009, 417.

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„Meine Tochter ist wie ausgewechselt“, sagt mir eine Mutter in diesen Tagen. Ihre 20-jährige Alexandra hat vor einigen Monaten an einem Glaubensseminar teilgenommen. In diesem Kurs hat sie entdeckt, was christlich Glauben wirklich heißt. „Seit diesem Seminar hat Alexandra sich verändert. Sie zeigt jetzt eine Freude, wie ich sie vorher nie bei ihr sah“, meint die Mutter.

Mich wundert es nicht, dass die Jugendliche sich durch ein Glaubensseminar so zum Positiven verändert hat. Denn ich weiß aus vielfacher Erfahrung: Wer einen lebendigen Glauben an Gott entdeckt, der kann wunderbare Veränderungen erleben. Da denke ich an den Propheten Jesaja, der im Namen Gottes dem Volk Israel verkündet: „Seht ich mache etwas Neues. Denkt nicht mehr an das war früher war“ (vgl. Jes 43,18-19). Jesaja sagt mir, dass Gott was Neues auch in mein Leben bringen kann. Soweit ich die Pläne Gottes aus der Bibel kenne, geht es dabei nicht um irgendeine Umgestaltung, sondern um eine Veränderung, die insgesamt erfreulich ist.

Dazu kommt mir der Psalm 126 in den Sinn: „Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendetet, da waren wir alle  wie Träumende, da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel“ (vgl. Ps 126,1-2), singt der Glaubende in diesem Lied. Die Befreiung aus der Gefangenschaft, von der im Psalm die Rede ist, weist auf eine historische positive Wende für das Volk der Hebräer hin. Diese werden im Psalm mit „Zion“ bezeichnet. „Zion“ steht für den Tempelberg in Jerusalem. Er war damals das Religiöse Zentrum der Hebräer und wurde auch zum Inbegriff für das Volk selbst. „Zion“ – also die Hebräer – wurden Mitte des ersten Jahrtausends vor Christus in die babylonische Gefangenschaft verschleppt. Doch nach einigen Jahrzehnten gab es für sie die Rückkehr in die Heimat. Das war für sie ein Wandel, der diese Leute zum Jubel veranlasste. Dieses Erlebnis hält der Psalm 126 für die nachkommenden Generationen fest. Im Psalm 126 sehe ich eine Botschaft über den Gott, der auch heute in mein Leben hereinwirken kann, und mir eine Lebens-Wende hin zu einer tiefen Freude schenken kann.
Wie so eine Wende aussehen kann, zeigt mir Jesus. Der Evangelist Johannes berichtet, wie Pharisäer und Schriftgelehrte eine Ehebrecherin zu Jesus schleppen und ihn fragen: „Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du?“(Joh 8,5). Jesus weist die Leute auf ihre eigenen Sünden hin und sagt schließlich zu der Frau: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (vgl. Joh 8,11). Die Botschaft, die Jesus der Frau gibt, lautet für mich: „Ich sage nicht, dass das gut war, was du getan hast. Aber ich fixiere dich nicht auf dein Fehler und Probleme, sondern ich gebe dir eine Perspektive für die Zukunft, sündige nicht mehr, starte neu, lebe anders, lebe nach den Geboten Gottes“. Für mich ist das, was Jesus sagt, nicht nur ein Befehl im Sinne: „Du musst das tun“. Es ist eine Zusage nach dem Motto: „Du kannst das“. Denn ich bin fest überzeugt, dass Jesus wie damals auch heute mich und viele Menschen motivieren kann, einen guten Lebensweg einzuschlagen. Denn er begleitet uns zu einem Leben in Gemeinschaft mit Gott, mit der Kraft Gottes, die bewegt zu einer positiveren Lebensgestaltung. Genau diese Wende, die Jesus in mein und unser Leben bringen kann, führt auch zu tiefer Freude. Denn wenn ich einen Gott erlebe, der mich liebt, der mir Energie gibt auf die Welt und auf andere positiv zuzugehen, dann kommt automatisch insgesamt eine tiefe Freude in mein Leben. Wenn mir deshalb auch schwierige Stunden nicht einfach erspart bleiben.

Mir fällt dazu der Heilige Paulus ein, der genau diese Veränderung erfahren hat. Ein Leben ohne Jesus bedeutete für ihn ein Nichts, im Vergleich zu einem Dasein mit Jesus, das ihm erst die ganz tiefe beglückende Gemeinschaft mit Gott erfahren lies, er nannte diese Erleben die „Himmlische Berufung“. Diese Berufung bedeutet für ihn auch ein Leben in tiefer Freude. Paulus drückt seine Lebenswende so aus: „Ich habe alles aufgegeben, um Christus zu gewinnen, in ihm zu sein, ihn zu erkennen. Denn Gott schenkt uns in Christus die Himmlische Berufung“ (vgl. Phil 3,8-14). Paulus sagt mir damit: Das Wichtigste ist es, mit Christus verbunden zu sein, dann finde ich das ganz andere und neue Leben, die himmlische Berufung, die für mich bedeutet, dass ich mich bei Gott geborgen fühlen darf und so innige Freude berühren kann.

So ein Lebenswende hin zu einem Leben mit tiefer Freude ist möglich. Das zeigen mir die Lebensberichte über die Heiligen. Nachdem zum Beispiel der Heilige Franziskus von Assisi gelernt hat, den christlichen Glauben immer lebendiger zu praktizieren, wurde seine Freude immer stärker. Er hat gewusst, dass die Freude ein Lebensprinzip der Christen ist. Deshalb hat er auch die Brüder ermahnt: „Die Brüder sollen sich als solche zeigen, die sich im Herrn freuen, heiter und fröhlich“ (vgl. 2 C 128).

Eine ähnliche Lebenswende, denke ich, hat wohl auch die 20 jährige Alexandra erleben dürfen. Ich wünsche ihr, mir und uns allen, das wir mir mehr erleben können. Der echte Glaube an Gott, besonders der christliche Glaube, bringt eine Wende in unser Leben. Wie sie der Psalm 126 ausgedrückt hat: Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendetet, da waren wir alle  wie Träumende, da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel“ (vgl. Ps 126,1-2).