Zum Paradies Liebe

„Die nehmen dich so wie du bist, einfach oder?“, fragt eine Freundin Teresa. „Das ist ja das Gute, Puppi“, antwortet Teresa. Sie scheint glücklich zu sein. Sie ist extra nach Kenia gereist, um sich dort Liebe, körperliche Zuwendung von Beachboys zu erkaufen. Darum geht es im neuen Film „Paradies Liebe“ von Kurt Seidl. Beschäftigt hat mich, dass Teresas geschwärmt hat, weil sie sich von den gekauften Männern so angenommen fühlt, wie sie ist. Video, Audio Audio (mehr)Ich verstehe ein wenig, dass sie ihr Glück sucht in bezahlten körperlichen Berührungen. Gleichzeitig finde ich das pervers. Denn ich bin überzeugt, dass sie sich bedingungslose Liebe nicht kaufen kann. Echte Liebe gibt es nur gratis; und sie ist treu.

Ich weiß, dass manche Ehepaare so einer Liebe nahe kommen können. Im glaube, dass es jemand gibt, der mich ganz bedingungslos liebt und mir treu ist, so sehr, wie es kein Mensch sein kann. Es ist Gott. Ich denke an den Heiligen Franziskus von Assisi, der etwas von dieser Zuwendung erlebt hat. Er hat Gott mit diesen Worten gelobt: „Du bist der heilige Herr, du bist die Liebe, du bist unsere ganze Wonne“ (vgl. LobGott).

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Lesejahr B, 3. Adventsonntag 2012, Homilie, Br. René Dorer

Bibelstellen: Jer 33:14-16;  Ps 25 (24), 4-5.8-9.10 u. 14; 1 Thess 3:12-4:2; Lk 21:25-28.34-36 (Einheitsübersetzung der Hl. Schrift, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart)

weitere Literatur:

Lobpreis Gottes des Hl. Franziskus von Assisi (= LobGott), hier: LobGott 4,  in: Dieter Berg, Leonhard Lehmann (Hg.), Franziskusquellen, Die Schriften des heiligen Franziskus, Lebensbeschreibungen, Chroniken und Zeugnisse über ihn und seine Orden, Kevelaer 2009,37.

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„Die nehmen dich so wie du bist, einfach oder?“, fragt eine Freundin Teresa. Diese antwortet: „Das ist ja das gute, Puppi, das ist ja das Gute “. Teresa scheint erfüllt zu sein von ihren Erlebnissen mit jungen schwarzen Männern in Kenia. Sie ist dort hingereist um sich Liebe, körperliche Zuwendung von Beachboys zu erkaufen. Darum geht es im neuen Film „Paradies Liebe“ von Kurt Seidl, der inzwischen bei den Filmfestivals in Cannes, Venedig und Berlin auf Interesse stieß. Ich habe von diesem Film eine Zusammenfassung im ORF gesehen. Bewegt hat mich das schon genannte Zitat, wo Teresa schwärmt, weil sie sich so genommen fühlt, wie sie ist.

Ich verstehe, dass sie ihr Glück sucht in bezahlten körperlichen Berührungen. Doch was sie macht finde ich pervers. Denn bedingungslose Liebe ist nicht kaufbar. Echte Liebe gibt es nur gratis; und sie ist treu. Ulrich Seidl spricht mit seinem Film die Ursehnsucht des Menschen an, geliebt zu sein. Jeder will bedingungslos angenommen sein.

Mir fällt dazu ein besonderer Liebhaber ein, von dem der Prophet Zefanja spricht. Vor etwa 2600 Jahren verkündete er: „Er erneuert seine Liebe zu dir“ (Zef 3,17). Zefania meint hier Gott, den Herrn. Der Prophet spürt, dass dieser Gott sich neu liebevoll den Menschen zuwenden will. Es ist sogar ein Gott, der sich über den Menschen freut und jubelt, weil ihm dieser so am Herzen liegt. Der Gott Zefanias scheint also eine Antwort zu haben auf die Frage des Menschen: „Wer liebt mich ganz?“. Wenn ich spüre, dass meine tiefsten Wünsche erfüllt werden, dann freue ich mich. Deshalb müssen sich auch Menschen freuen, die überzeugt sind: „Gott wendet sich mir herzlich zu“. Ich denke, das ist wohl der Grund, warum Zefania sein Volk aufruft: „Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!“.

Dabei machen mir biblische Texte klar, dass Gott seine Liebe zu den Menschen auf verschiedene Weise ausdrückt. Er tut es auch, indem er dem Volk Israel einfach nahe sein will. „Groß ist in eurer Mitte, der Heilige Israels, deshalb jauchzt und jubelt“, so drückt es ein Lied des Propheten Jesaja aus (vgl. Jes 12,6).

Die Erfahrung von Liebe wird auch in verschiedenen Bildern ausgedrückt. Auch heute ist es üblich, die Liebe als ein „Feuer“ zu bezeichnen, weil sie was mit Wärme, mit sozialer Wärme zu tun hat. „Das Feuer der Liebe“, so lautet zum Beispiel der Titel eines Liebesromanes von Eloisia James aus.

Johannes der Täufer, spricht einmal in der Wüste von einem Feuer, das auf die Menschen herabkommen wird. Johannes der Täufer verkündet jemand, der nach ihm kommen wird, und der die Menschen mit Feuer taufen wird (vgl. Lk 3,16).

Die Menschen hineinsenken in Feuer, in die Erfahrung von Liebe, ist die Aufgabe des Kommenden, betont der Wüstenprophet. Er meint damit eindeutig Jesus von Nazareth.

Ich glaube, dass Jesus mir die Erfahrung von Feuer geben kann, es ist die Erfahrung, dass Gott mich bedingungslos und treu annimmt. Das fordert mich natürlich heraus, auf diese Liebe mit Liebe zu antworten. Wenn ich glauben und spüren kann, dass Feuer bei mir ist, der Gott der sich mir zuneigt, dann muss das automatisch Freude in mir auslösen. Deshalb ruft der Heilige Paulus die Christen auf: „Freut euch im Herrn zu jederzeit“ (vgl. Phil 4,4). Das heißt, wer im Herrn ist, wer mit Jesus verbunden ist, hat immer einen Grund zur Freude, weil er weiß: Ich bin aufgehoben im Feuer der Liebe, in der Liebe, die mich glücklich macht.

Die Heiligen haben besonders gespürt: Jesus bringt mich in Berührung mit dem Gott, der mich bedingungslos annimmt. Mir fällt dazu der Heilige Franziskus von Assisi ein. In ein Loblied fügte er die Worte ein: „Du bist der heilige Herr, du bist die Liebe, du bist die Minne, du bist unsere ganze Wonne“ (vgl. LobGott).

Ich bitte Jesus, dass ich und viele auch in menschlichen Beziehungen etwas von echter Zuwendung erleben können. Ich hoffe auf die Hilfe Jesus, dass wir uns gerad im Advent öffnen können für sein Kommen. Damit wir erleben dürfen, was Johannes der Täufer sagte: „Er wird euch mit Feuer taufen“ (vgl. Lk 3,16).