Pop Queen will Veraenderung

„Die Welt zu verändern, ist die Aufgabe des Künstlers“, meint die Pop-Queen Madonna bei einem Interview (ORF, Zeit im Bild, 20.7.2012,19.30h) anlässlich ihrer Welttournee 2012. Sie sieht sich selbst als Künstlerin, die zu einer besseren Welt beitragen will. VideoAudio (direkt), podcastAudio2 (mehr dazu)

Ihr Wunsch gefällt mir. Auch wenn ich vieles ablehne, von dem was sie tut.

Ein besseres Leben auf diesem Planeten entsteht erst dann wenn wir lernen aufrichtig das Wohl unserer Mitmenschen zu suchen. Dazu brauchen wir viel von innerer Kraft. Dazu brauch ich die Energie, mit allen Menschen gut umzugehen, sogar mit denen, die ich als Feinde betrachte.

Wie ich diese Energie finde, zeigt mir ein echter Star des Mittelalters: Franziskus von Assisi. Er hat nachweislich  zu einer positiveren Entwicklung der Geschichte beigetragen, weil er den christlichen Glauben radikal gelebt hat. Franziskus schreibt einmal: „Die Brüder müssen danach verlangen, jene zu lieben, die uns verfolgen und beschuldigen, denn der Herr Jesus sagt: >Liebet eure Feinde<“ (BR 10,10). Um diese verändernde Kraft echter Liebe bitte ich Gott für mich, für Madonna und für alle Menschen

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Lesejahr B, 18. Sonntag im Jahreskreis 2012, Homilie, Br. René Dorer

Bibelstellen: Ex 16,2-4. 12-15;  Ps 78 (77), 3-4b.23-24.25 u. 54; Eph 4,17. 20-24; Joh 6,24-35 (Einheitsübersetzung der Hl. Schrift, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart)

weitere Literatur:

Franziskus von Assisi, Bullierte Regel, (=BR), hier: BR 10,10, in: Dieter Berg, Leonhard Lehmann (Hg.), Franziskusquellen, Die Schriften des heiligen Franziskus, Lebensbeschreibungen, Chroniken und Zeugnisse über ihn und seine Orden, Kevelaer 2009, 101.

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„Wer damit beschäftigt ist populär zu sein und Stimmen zu fangen, der wird wohl kaum die Welt verändern. Das ist die Aufgabe des Künstlers“, meint die Pop-Queen Madonna bei einem Interview (ORF, Zeit im Bild, 20.7.2012,19.30h) anlässlich ihrer Welttournee 2012. Auf ihrer Tour ist sie Ende Juli mit 76 Trucks zu ihrem Auftritt nach Wien gekommen. Sie  will mit ihren Songs die Welt verändern. Sie will bei jungen Leuten die Begeisterung für die Mitarbeit an einer gerechteren Welt wecken. Ich finde diesen Wunsch positiv. Gleichzeitig lehne ich ihr schamloses Getue ab. Ich finde es verwerflich, wenn sie christliche Symbole für ihre Shows missbraucht.

Doch mir gefällt ihr Wunsch, dass sie für eine menschlichere Gesellschaft arbeiten will. Ob sie mit ihren Songs und ihren provokanten Inszenierungen Menschen bewegen kann, an einer friedlicheren Welt mitzuarbeiten, stelle ich in Zweifel. Denn ich denke, mit ihren sexistischen Aufführungen verdirbt sie auch viele.

Gleichzeitig merkt sie wohl, dass die jungen Menschen hungern nach einer liebevolleren Welt. Wer kann dieses menschliche Bedürfnis stillen. Am ehesten die Menschen, die sich trauen anders zu denken und zu leben als die Masse. Leute die es wagen aufzutreten für eine Veränderung der Welt zum Positiven. Dazu gehören die, die noch Hoffnung haben, die sich vernetzen, die an der Basis Revolutionen starten und so manches in Bewegung setzen.

Um unser Hunger nach einer gerechteren Welt zu stillen brauch es, meines Erachtens, mehr. Mir fällt dazu ein, wie die Israeliten durch die Wüste Richtung gelobtes Land wanderten. Da bekamen sie Hunger. In ihrer Not wollten sie schon wieder umkehren, doch da  sprach Gott zu Mose: „Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen“ (vgl. Ex 16,4b). Über Nacht fiel dann eine Art Tauschicht herab. Es war was „Feines, Knuspriges“. „Das ist das Brot, dass der Herr euch zu essen gibt“, beruhigte Mose die Leute (vgl. Ex 16,15e). Die Israeliten erlebten, dass Gott sie direkt mit Nahrung versorgt. Die Leute haben erlebt: Gott kümmert sich um unsere Bedürfnisse.

Dieses Ernährungswunder haben die Hebräer sich immer wieder in Erinnerung gerufen –  auch in den Psalmen. „Der Herr gab den Menschen Brot vom Himmel.  Da aßen die Menschen Wunderbrot; Gott gab ihnen Nahrung in Fülle“, wird im  Psalm 78 gesungen (vgl. Ps 78 (77), 24-25). Die gläubigen Juden waren sich bewusst, es gibt eine irdische Speise, die sie sich erarbeiten: Brot, Fleisch, Fisch, Früchte. Sie wussten dass es auch die Nahrung gibt, die direkt von Gott kommt. So sprach der Herr einmal zu Mose: „Der Mensch lebt von allem, was der Mund des Herrn spricht“ (vgl. Dtn 8,3). Wenn Gott sich dem Menschen mitteilt, ist das wie eine Lebensgrundlage, eine Nahrung für den Menschen. Wenn Gott zum Menschen spricht, dann stillt er im Menschen den Hunger, einer unbegrenzten Liebe zu begegnen, Gott zu begegnen.

Ich denke, genau auf diese Speise, die direkt von Gott kommt, wollt auch Jesus hinweisen bei einem Speisewunder.

Johannes berichte, wie Jesus mit ein paar wenigen Broten Tausende ernährt hat. Das war ein Ernährungswunder. Es ist wie ein künstlerisches Zeichen, mit dem Jesus eine tiefere Botschaft transportieren will. Denn ihm geht es ja nicht nur darum, dass der Mensch was im Magen hat. Er sagt: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt“. Damit meint er, die Leute sollen nicht nur schauen, dass sie materielle Bedürfnisse befriedigen: Essen, Trinken, ein Dach über dem Kopf. Jesus fordert auf: „Müht euch ab für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird“ (vgl. Joh 6,27a).  Er will, dass der Mensch seine seelischen Bedürfnisse gestillt bekommt. Dabei geht es ihm um die Nahrung, die den Hunger des Menschen nach Liebe, nach ewiger Liebe stillt. Diese Liebe kann ich erleben, wenn ich glaube, dass Gott mir vergibt und mich leidenschaftlich gerne hat. Dann berühre ich Gott selbst, den Himmel, himmlische Lebensweise. Deshalb nennt die Bibel diese Erfahrung auch „ewiges Leben“.

Ich glaube, dass Jesus diesen Hunger nach ewigem Leben stillen kann. Denn er führt mich so, dass ich Gott erleben kann. So stillt Jesus meinen Hunger nach Geliebt-sein. Er selbst ist so für mich das Brot, das ich brauche, das Brot des ewigen Lebens. Wenn ich diese Liebe erfahre, dann weiß ich gleichzeitig, dass Gott auch andere liebt, alle gern hat. Das führt mich dazu, dass auch ich immer mehr alle Leute und auch die Geschöpfe liebevoll annehmen kann. So ist das Brot der Liebe, das Jesus selbst für mich ist, gleichzeitig eine Stärkung hin zu einem liebevollen Miteinander mit allen. Deshalb ist Jesus das Brot des Lebens, für mich die Nahrung für den Hunger nach Frieden, nach einer besseren Welt.

Auch Franziskus von Assisi wollte täglich Jesus, das „Brot des Lebens“ essen. Mit Jesus verbunden zu sein, war für ihn das absolut wichtigste. Der Kontakt mit Jesus hat ihn bewegt, an einer friedvolleren Welt mitzuarbeiten. In einer Lebensregel für seine Brudergemeinschaft schreibt er einmal: „Die Brüder müssen danach verlangen, jene zu lieben, die uns verfolgen und tadeln und beschuldigen, denn der Herr sagt: >Liebet eure Feinde und betet für jene, welche euch verfolgen und verleumden<“ (BR 10,10 ). Franziskus war gesättigt mit dem Brot der Liebe, mit Jesus. Deshalb strebte er nach dem Frieden mit allen.

Ich wünsche, dass gerade die Jugendlichen heute immer mehr entdecken: Es gibt jemand der meinen Hunger nach einem besseren Leben stillen kann. Das ist vor allem Jesus. Weil er seelischen Hunger stillen kann, den Hunger geliebt zu sein, von unbegrenzter Liebe, von Gott. Ich wünsche uns allen, dass wir erleben, dass folgende  Worte Jesu wirklich sind: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern“ (vgl. Joh 6,35).